Die Kunstszene in Berlin brummt, sozusagen minütlich ziehen Künstler in die Stadt. Jonas Dalhberg aus Schweden ist einer der neuesten Zuzügler. Berlin ist Produktionshochburg mit ausgezeichneten Künstlern, die international begehrt sind. Dieses Umfeld ist auch für den Künstlernachwuchs sehr förderlich. Der Umgang miteinander ist sehr kollegial, konstruktiv-entspannt und es geht vorrangig um Inhalte. Wirklich gute Arbeitsbedingungen für Künstler, das ist schön zu sehen.

Die Qualität in der wachsenden Galerieszene steigt, denn Konkurrenz belebt das Geschäft. Im Umfeld des Art Forum Berlin gab es fünf Galerieneueröffnungen bzw. Dependanceeröffnungen aus dem In- und Ausland, und weitere international bekannte Galerien planen einen Umzug nach Berlin für die nähere Zukunft.

Berlin ist die Hauptstadt der Gegenwartskunst in Europa und dieser Status wird sich in den nächsten Jahren weiter befestigen. Auch bei den "alten Hasen", also denen, die schon lange oder länger hier sind, tut sich einiges. Viele Galerien sind gerade in neue, größere Räume gezogen oder dabei, ihren Umzug vorzubereiten. Es geht vor allem nach Kreuzberg, in die Kochstraße und in die Schlesische Straße, aber auch in der Heidestraße, gleich hinter dem Hamburger Bahnhof und den Rieckhallen wächst ein neuer Galerienstandort. Da wird es in Zukunft viel Neues zu entdecken geben.

Auch der Zuzug von Sammlern ist wichtig, viele von ihnen kommen aus dem gern beschworenen Rheinland bzw. Nordrhein-Westfalen. Im nächsten Jahr wird Christian Boros seine Sammlung im Bunker in der Reinhardstraße eröffnen, Axel und Barbara Haubrok haben schon seit längerem einen Spielort für ihre Sammlung in Berlin, seit kurzem sind auch Wilhelm und Gabriele Schürmann mit einem Schaufenster auf ihre Sammlung hier und auch Thomas Olbricht plant einen Ausstellungsort für Teile seiner Sammlung, weitere ziehen nach und auch die Berliner Sammlerschaft wächst. Auf dem diesjährigen Art Forum Berlin haben viele Galerien ausschließlich an Berliner Kunden verkauft. International betrachtet ist das Interesse an Gegenwartskunst so groß wie nie zuvor und das zeigt sich in Berlin sehr deutlich. Das Art Forum hatte in diesem Jahr mehr als 41 000 Besucher, eine nochmalige Steigerung gegenüber dem letztjährigen Rekord von 37 000 Besuchern.

Bildende Kunst aller Epochen ist mittlerweile der Hauptattraktionspunkt für Besucher, die nach Berlin kommen. Es wäre schön, wenn die Politik dem Rechnung tragen und die Institutionen besser ausstatten würde. Die meisten Häuser wie die Kunst-Werke beispielsweise haben winzige Ausstellungsetats und verbringen die meiste Zeit damit, Drittmittel und Sponsorengelder zu akquirieren, anstatt an Inhalten und Vermittlung zu arbeiten. Wegen Budgetnöten können sie ihre Ausstellungen fast nie angemessen bewerben.

Mehr Werbung bringt auch wieder mehr Besucher in die Stadt, wie man an der MoMA- Ausstellung bestens sehen konnte. Daher sollte Berlin sowohl vor Ort, als auch im In- und Ausland offensiv mit laufenden Berliner Ausstellungen werben. Es sollte eine gemeinsame Werbeplattform für Kunstinstitutionen eingerichtet und Außenwerbungsflächen für geringe Gebühr zur Verfügung gestellt werden.

Erste Schritte sind gemacht, z.B. mit der Kulturwirtschaftinitiative. In deren Rahmen sollten bereits vorhandene Förderinstrumente und -möglichkeiten nun auch in vollem Umfang den Unternehmen der Kulturwirtschaft zugänglich sein. Tourismusverband und Kultursenat planen eine große Marketingkampagne für die Kulturstadt Berlin im Ausland, allerdings scheint es da derzeit noch um eine inhaltsfreie Imagewerbung zu gehen, statt konkrete Programme und Ausstellungen vorzustellen. Das aber wäre eine vertane Chance.

Man weiß bereits das Berlin ein Kulturmekka ist, aber die Besucher sollten auch wissen, was sie wann in Berlin zu hören und zu sehen bekommen.

Wenn die Kultureinrichtungen und die Galerien, die Politik, die Wirtschaft und der Tourismussektor gemeinsam an einem Strang ziehen, wird Berlin mit Kultur strahlend leuchten.

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