Berlin hat nun also sein erstes Slumgebiet. Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble ortete es in Neukölln. Wahrscheinlich meinte er Nord-Neukölln, wo 150 000 Menschen leben. Parteifreunde aus der Berliner CDU hatten schon vor geraumer Zeit festgestellt, daß man dort nächtens nicht mehr auf die Straße gehen kann, weil man ausgeraubt, zusammengeschlagen oder überfallen wird. Das ist aber von der täglichen Realität weit entfernt. Und es hilft diesem schwierigen, problembeladenen Stadtteil in keiner Weise, ihn auf diese Art zu stigmatisieren. Neukölln ist rauh. Aber das Etikett "Slum" hat der Bezirk nicht verdient. Statt dessen wäre es an der Zeit zu überlegen, was wir gegen die hohe Arbeits- und Perspektivlosigkeit junger Menschen, gegen Straffälligkeit, Gewaltbereitschaft, Vereinsamung und Armut ganzer Bevölkerungsschichten tun können. Es geht darum, diese Menschen in die Gesellschaft zu integrieren. Jetzt sind Angebote gefragt - und keine schlauen Sprüche.