Gedenkstein für Opfer des Tsunami eingeweiht

Die kleine Dorfkirche in Alt-Tempelhof ist bis auf den letzten Platz besetzt. Während im weihnachtlich geschmückten Raum junge, ältere und alte Menschen auf den Beginn des Gedenkgottesdienstes zum Jahrestag des Tsunami warten - Angehörige, Freunde und Kollegen der 46 Opfer aus Berlin und Brandenburg - hört es draußen nicht auf zu schneien. Irgendwer hat einen kleinen Schneemann gebaut, der jetzt auf der Mauer genau gegenüber der Kircheneingangstür steht: ein wenig verloren, ein wenig deplaziert.

Und doch. Der kleine Schneemann ist ein Stück Normalität und symbolisiert damit das, was viele hier suchen - den Weg zurück ins Leben, wenn der auch noch so schwierig und schmerzhaft ist. Sie wünsche allen Überlebenden, die nach wie vor in ihrer Trauer gefangen sind, daß sie eines Tages sagen können "wir durften überleben", wird Anke George in ihrer Ansprache später sagen. Die 47jährige hat selbst überlebt, verlor beim Tsunami jedoch ihren Ehemann.

Die Menschen in der kleinen Dorfkirche sind traurig, aber auch dankbar. Dankbar dafür, daß sie nun endlich einen Ort haben werden, zu dem sie kommen können, um derer zu gedenken, die der Tsunami ihnen wegriß - ohne Vorwarnung, ohne Abschied. Nach dem Gottesdienst werden sie auf dem Friedhof der Dorfkirche gemeinsam eine Stele aus Sandstein einweihen, auf der die Namen von 43 Opfern eingraviert sind. Der Stein wurde auf Initiative der in der Selbsthilfegruppe "Hoffen bis zuletzt" engagierten Angehörigen errichtet. "So lange ein Mensch nicht vergessen ist, ist er nicht tot", sagt Pfarrer Jörg Kluge in seiner Predigt. Er nennt den Gedenkstein auf seinem Kirchhof einen Meilenstein zum Trost, einen Schlußstein auch und einen Stein des Neuanfangs.

Mit einem Kirchenlied, das Jochen Klepper 1938, in der dunkelsten Zeit Deutschlands, schrieb, spendet Pfarrer Kluge den Anwesenden Mut und Trost: "Die Nacht ist vorgedrungen, der Tag ist nicht mehr fern! So sei nun Lob gesungen, dem hellen Morgenstern!", heißt es da.

Tröstende Worte findet auch Bundespräsident Horst Köhler. Jedes Leben sei immer auch in Gefahr, sagt er. Davor könne man sich nicht schützen, wohl aber einander beistehen in der Not. Dies sei nach dem Tsunami auf der ganzen Welt geschehen. Köhler schließt alle Opfer des Unglücks in sein Gedenken ein und dankt auch den vielen Helfern aus allen Teilen der Erde.

Die bewegendsten Minuten sind die, als schließlich die Namen der Opfer aus Berlin und Brandenburg verlesen werden und für jeden dieser Menschen eine Kerze angezündet wird.

Am Ende des Gottesdienstes nehmen die Angehörigen die Kerzen mit hinaus auf den Friedhof. Am kleinen Schneemann vorbei gehen sie zum Gedenkstein, dessen oberes Ende den Kamm einer Welle darstellt. Während der Posaunenchor der Kirchgemeinde spielt, stellen sie die Kerzen vor der Stele ab - jenem Ort, der ihnen künftig Zuflucht und Trost bieten wird.