Das Radio ist eben doch etwas für Fixe: Kaum hatte Radioeins am Sonnabend gesendet, daß noch 200 Restkarten, vermutlich aus dem privaten Kontingent von Robbie Williams, an der Kasse des Tempodroms zu haben sind, strömten Hunderte Berliner gen Kreuzberg. Nette hoffnungsvolle Menschen. "Da kann man nur bar zahlen", warnt ein Pärchen mit sonnigem Lächeln im Gesicht Entgegenkommende. Die beiden haben soeben noch Karten abgestaubt.
Auf dem Vorplatz an der Kasse, wo seit 10 Uhr die Tickets über den Tresen gehen, schlängeln sich indes die Wartenden. Gegen 11.45 Uhr geht nichts mehr: Alle Karten sind weg. "Wir haben die letzten vier abbekommen", freuen sich Jutta und Svea. Noch am Freitag kannten sich die beiden Frauen nicht, gestern wurden sie Freundinnen. "Wir haben mitbekommen, daß man nur bar zahlen kann. Während Svea weiter anstand, habe ich einen Marathonlauf zum nächsten Geldautomaten hingelegt", erzählt Jutta. Und brachte solidarisch gleich Geld für Svea mit. "Die vor uns in der Schlange anstanden, hatten nicht genügend Bargeld, deshalb haben wir dann die letzten Karten bekommen", ergänzt Svea und lächelt. Diesen Tag, da sind sich die beiden Robbie-Fans einig, werden sie so bald nicht vergessen. Sie verlassen das Tempodrom gemeinsam, schließlich muß Svea nun ihre knapp 200 Euro Schulden bei Jutta begleichen. "Dann trinken wir noch einen Kaffee. Und gehen wir auf jeden Fall gemeinsam in das Konzert", verabschieden sich die beiden.
An der Kasse prangt mittlerweile das "Ausverkauft"-Schild. Ein paar Hartnäckige versuchen es weiter: "Sie haben sich doch bestimmt zehn Karten zurückgelegt?" will einer wissen. Eine Blondine versucht - mit gespielter Verzweiflung - sogar ihren Hund zu opfern: "Ich gebe Ihnen meinen Dackel für eine Karte!", ruft sie. Der kleine Rauhaardackel wechselt nicht das Frauchen.
apu


