Eine Stimmung zwischen Freude und Bedrückung, zwischen Euphorie und Frust kennzeichnet die Situation der Berliner Partylandschaft, die sich derzeit in einer Phase besonders starker Bewegung befindet. An allen Ecken und Enden verändert sich etwas, Clubs ziehen um, eröffnen unter neuem Namen oder verschwinden gar ganz in der Versenkung. "Die Clublandschaft ist eigentlich andauernd Veränderungen ausgesetzt", sagt Olaf Kretschmar, Sprecher der Club Commission, einer Art Dachverband der Berliner Club- und Partybetreiber. Doch gerade passiere besonders viel - in der Berliner Subkultur würde sich derzeit ein Aufbruch andeuten, so Kretschmar. Er muß es wissen: Schließlich vertritt er 79 Clubs und Veranstalter.
Noch bis zur Jahrtausendwende eilte der hauptstädtischen Subkultur der Ruf der wild-berüchtigten Nachwendezeit voraus. Damals, zu Beginn der Neunziger, schien nichts unmöglich, alles ging. Experimentierfreudige Enthusiasten belagerten marode Räume und machten daraus angesagte Treffs. Kam eine Veranstaltungsreihe gut an, lief sie für lange Zeit von selbst - Berlin galt international als heiß gehandelte Party-Metropole. Mit der Zeit wurden viele Veranstalter träge und setzten auf Bewährtes. Ein Gefühl der Sättigung machte sich breit.
Doch in der Krise bestehe gerade die Chance der Berliner Clubs, so Kretschmar. Qualität statt Quantität wird fortan das Motto im Nachtleben lauten. Immer mehr Partymacher seien deshalb gezwungen, neue Wege zu beschreiten, andere Konzepte und Sounds zu testen, kurzum "stärker auf Innovation zu setzen". Die Kombination von Club und Lounge fand beispielsweise in letzter Zeit immer mehr Anhänger.
Letztlich kommt diese Entwicklung den Nachtschwärmern nur zugute: Sie dürfen auf ein abwechslungsreiches, aufregendes und außergewöhnliches Partyprogramm ohne monotone Einheitsdudelei gespannt sein.


