"Sie war eine wunderbare Freundin, aber schwierige Kundin, wir kannten uns 35 Jahre", sagt Promi-Coiffeur Udo Walz, 59. Vor drei Monaten hat er das letzte Mal mit ihr telefoniert, vor zwei Jahren hat er ihr einen großen Wunsch erfüllt. Udo: "Ich holte sie aus Hamburg nach Berlin, sie wollte unbedingt noch einmal zum Ursprungsort ihrer alten Berliner Schule, des Evangelischen Gymnasiums zum Grauen Kloster unweit des Alexanderplatzes, an an der Kloster/Ecke Grunerstraße. Anschließend gingen wir zum Essen in Richtung Hackesche Höfe, ins Pan Asia. Doch damit nicht genug, zum Abschluss des Abends wollte sie auch noch ins Restaurant Borchardts, wo ich für sie Kaviar servieren ließ, den mochte sie am liebsten. Andererseits hatte Inge Meysel eine Vorliebe für Blutwurst mit Kartoffeln, das Berliner Gericht bestellte sie gern in der Paris Bar, wenn sie in der Hauptstadt war." In Plauderstimmung kam sie mit einem Champagner, "der durfte nicht zu kalt sein. Inge wollte immer ein warmes Glas."
Udo Walz kannte die erfolgreiche Schauspielerin auch abseits von Glamour und Scheinwerfer, wusste, dass es Tage gab, an denen der Star einsam war. Er erinnert sich: "Eines Sonntags rief sie mich an, sagte, wir müssten sofort ihre Haare neu färben, sie seien grünstichig geworden. Natürlich stimmte das nicht. Aber sie wollte einfach Gesellschaft haben, war oft allein."
Unglaublich gefreut hat sie sich, als Udo Walz zu ihrem 80. Geburtstag auf Capri als Überraschungsgast auftauchte. "Das war ihr mehr wert als ein kostbares Präsent". Udo abschließend: "Ich habe auch viel von ihrer Lebensweisheit gelernt. So sagte sie immer zu mir die Worte: ,Zieh' dir erst die Schuhe aus, wenn du am Wasser bist'. Soll heißen, man soll sich nicht über Dinge Sorgen und Gedanken machen, die noch gar nicht aktuell sind."
Autor Curth Flatow, der mit Horst Pillau das wunderbare Theaterstück "Das Fenster zum Flur" schrieb, in dem die Meysel als Portiersfrau im Hebbel-Theater brillierte: "Ich war häufig in der Schöneberger Wohnung ihrer Mutter zu Gast, kannte auch ihren Mann John Olden noch. Eigentlich hatte ich ihre Paraderolle für Grete Weiser geschrieben. Dass dann Inge Meysel spielte, war ein einziger Glücksfall. Jam, sie war eine wunderbare Darstellerin, konnte aber auch herrlich streitbar sein. Eine große Persönlichkeit eben."
Schauspielerin Barbara Schöne: "Sie war mir Vorbild und tolle Partnerin auf meiner allerersten Theatertournee. Das war 1967. Inge Meysel hat hoffentlich nicht gelitten, als sie starb. Ich wünsche mir, dass wir uns alle im Himmel wiedersehen."



