Die Fußball-WM 2006 hat in Berlin Spuren hinterlassen - nicht nur emotional. Die wichtigsten zählbaren Auswirkungen des sportlichen Mega-Events:
Tourismus-Rekord: Gäste- und Übernachtungszahlen steigen in der Hauptstadt seit Jahren stetig. Trotzdem hat die WM nach Angaben der Berlin Tourismus Marketing GmbH für einen zusätzlichen Boom gesorgt. Im vergangenen Jahr stieg die Zahl der Übernachtungen um 1,3 Millionen auf 15,9 Millionen. Für dieses Jahr peilt die Branche 17 Millionen Übernachtungen an. Vor allem lang- und mittelfristig sollen die WM-Effekte sich auszahlen, insbesondere in Bezug auf den Anteil der Berlin-Besucher aus dem Ausland (siehe Interview).
Wirtschaftskraft: Während der WM haben vor allem der Einzelhandel und die Gastronomie profitiert. Mehr und mehr entwickelt sich aber im Sog des Großereignissen auch die Sportwirtschaft zu einem wichtigen Faktor. Nach Angaben der Industrie- und Handelskammer setzt die Branche jährlich etwa eine Milliarde Euro um, rund 15 000 Menschen arbeiten hauptberuflich im Sportsektor. Bereits jetzt ist Berlin, gemessen an der Zahl der Veranstaltungen, Deutschlands Sportstadt Nummer eins. Eine aktuelle Studie einer Londoner Beratungsagentur hat der deutschen Hauptstadt vor einigen Wochen außerdem den dritten Platz unter den internationalen Sportstädten bescheinigt. "Was in allen Bereichen gilt, in denen Wettbewerb herrscht, trifft auch hier zu", betont IHK-Präsident Eric Schweitzer. "Berlin darf sich auf diesen Erfolgen nicht ausruhen, sondern muss weitere sportliche Großereignisse akquirieren und auch politisch die Bedürfnisse der Sportwirtschaft ernst nehmen."
Fußball-Run: Am nachhaltigsten profitieren bis heute die Berliner Fußballvereine von der WM. Im vergangenen Jahr knackte der Berliner Fußballverband erstmals die Schallgrenze von 100 000 Mitgliedern. Und der Trend ist ungebrochen. Vor allem im Nachwuchsbereich ist der Andrang immer noch so groß, dass einige Vereine einen Aufnahmestopp verhängen mussten, wie Verbandspräsident Bernd bestätigt. In einigen Teilbereichen der Mitgliederstatistik stieg die Zahl der Fußballer im zweistelligen Prozentbereich. Vor allem immer mehr Mädchen begeistern sich für den Fußball.
Babyboom: Ob die Fußball-WM der alleinige Grund ist, können auch die Experten nur mutmaßen. Fest steht aber: In den Wochen von Ende Februar bis Ende März 2007 ist die Geburtenrate bundesweit deutlich erkennbar gestiegen. Zumindest theoretisch handelt es sich dabei um WM-Babys. Das trifft auch auf Berlin zu, wie der Klinikkonzern Vivantes bestätigt. Im März wurden in den Vivantes-Kliniken 775 Kinder geboren, elf Prozent mehr als im gleichen Monat des Vorjahres. Auch im Februar verzeichnete der Konzern ein Geburtenplus von sieben Prozent gegenüber 2006. Und noch ein vermeintlicher WM-Effekt ist beim Nachwuchs erkennbar. Der Name Lukas, Vorname des deutschen Stürmerstars Podolski, hält sich in der Hitliste der beliebtesten Vornamen für Neugeborene hartnäckig auf Platz zwei.


