Vor allem der Berlin-Tourismus soll nachhaltig von den Effekten der Fußball-WM profitieren. Gerhard Buchholz ist Projektmanager bei der Berlin Tourismus Marketing GmbH und war im vergangenen Sommer WM-Beauftragter der BTM. Mit ihm sprach Morgenpost-Reporter Markus Falkner.

Berliner Morgenpost: Herr Buchholz, vor einem Jahr startete die WM in Deutschland. Wie hat sich Berlin rückblickend der Welt präsentiert?

Gerhard Buchholz: Die WM war eine Steilvorlage für die Stadt, die Berlin perfekt verwertet hat. Wir hatten natürlich Glück, dass wir optimales Wetter hatten, aber wir konnten die Stadt auch in optimalem Zustand präsentieren. Das war ein Resultat der jahrelangen Vorbereitung. Wir haben dafür gesorgt, dass die Stadt perfekt geschmückt war, dass sie sauber war und international. Zweisprachige Speisekarten zählen dazu ebenso wie die Sprachschulungen für Taxifahrer, die wir im Vorfeld organisiert haben.

Durch die weltweite TV-Übertragung erhoffte man sich Impulse für den Tourismus. Ist die Hoffnung aufgegangen?

Buchholz: Absolut. Unser Konzept war auf Internationalität und Imagestärkung ausgerichtet. Berlin sollte als Sportstadt, aber auch als kulturelle Metropole präsentiert werden. Mit Erfolg. Seit dem Abpfiff der Fußball-WM steigen die Gästezahlen monatlich fast im zweistelligen Prozentbereich.

Wie kann Berlin mittel- und langfristig profitieren?

Buchholz: Ähnlich wie die Politik haben wir für den Tourismus eine Agenda 2010 formuliert. Ziel ist es, bis dahin die jährliche Zahl der Übernachtungen auf 20 Millionen zu steigern. Die WM war dabei ein wichtiger Katalysator. Wir sehen inzwischen, dass das über die Bilder der Fußball-WM vermittelte Image nachhaltig wirkt. Schon 2007 werden wir voraussichtlich 17 Millionen Übernachtungen erreichen, und die Stadt boomt weiter. Vor allem bei den internationalen Gästen haben wir seit der WM einen deutlichen Anstieg. Inzwischen kommen 35 bis 38 Prozent der Berlin-Besucher aus dem Ausland. Diesen Trend hoffen wir mit dem Ausbau von Flug- und Bahnverbindungen noch verstärken zu können. Der Tourismus ist schon jetzt eine wichtige Einnahmequelle für die Stadt, was längst auch die Politik erkannt hat, wie die jetzt initiierte Imagekampagne zeigt.

Was muss getan werden, um diesen Effekt zu erhalten?

Buchholz: Wir dürfen nicht nachlassen, müssen immer neue Events nachlegen. Dabei setzen wir natürlich weiter auf den Sport, vor allem aber auf die klassischen Reiseauslöser Geschichte und Kultur. Mit der Fertigstellung der Museumsinsel, aber auch mit der geplanten temporären Kunsthalle auf dem Schloßplatz können wir neue Gästeschichten erschließen. Die Menschen sollen sich sagen: An Berlin führt kein Weg vorbei, wenn ich internationale Kunst erleben will. Der größte Trumpf ist aber die ständige Veränderung der Stadt. Wer einmal hier war, kommt immer wieder, um zu sehen, was sich getan hat. In sportlicher Hinsicht wird natürlich die Leichtathletik-WM 2009 das nächste Highlight.

Berlin als Sportmetropole. Welchen Anteil hat das überhaupt an der Entwicklung des Tourismus? Steigen die Zahlen nicht auch unabhängig davon seit Jahren stetig?

Buchholz: Der Sport wird zu einem immer wichtigeren Businessfaktor. Wir haben sehr gute Sportstätten. Nicht nur das Olympiastadion, auch die Max-Schmeling-Halle oder die Schwimmhalle. Zudem bekommen wir mit der Anschutz-Arena im kommenden Jahr noch ein zusätzliches Juwel. Das macht die Stadt auch für die Veranstalter von Top-Sportevents interessant. Jahrelang war Berlin nach der gescheiterten Olympiabewerbung auf der sportlichen Landkarte nicht gut positioniert. Das hat sich geändert. Und gerade die großen Events ziehen oft Folgegeschäfte nach sich: Messen, Kongresse, und auch das Interesse der Sportartikelhersteller ist gewachsen.