"Berlin ist weltweit die Stadt mit den meisten Galerien"

Die Eingangstür geht ständig auf und zu. Die Berliner Galerie an der Auguststraße 19 in Mitte ist an diesem Wochenende gut besucht.

Die Eingangstür geht ständig auf und zu. Die Berliner Galerie an der Auguststraße 19 in Mitte ist an diesem Wochenende gut besucht. "Die Biennale erweist sich als Besuchermagnet für Berlin. Davon profitieren sämtliche Galerien in dieser Stadt", sagt Rainer Ebert.

Der Galerist hat zusammen mit seine Kollegen Rüdiger Küttner 1988 die Berliner Galerie gegründet, deren Ausstellungsräume sich seit fünf Jahren in der Auguststraße befinden. Die beiden haben sich auf Malerei und Skulpturen spezialisiert und sind mit ihrem klassischen Programm inmitten der jungen hippen Szene entlang der Auguststraße ein Fels in der Brandung. "Das Publikum liebt uns dafür", sagt Ebert.

Noch bis zum 19. April zeigt seine Galerie Werke des Malers Bernhard Heisig. Der 1925 geborene Künstler gehört zu den Gründern der so genannten Leipziger Schule, die viele namhafte junge Maler hervorgebracht hat. "Berlin ist gegenwärtig die Stadt mit der weltweit höchsten Galeriendichte", sagt Ebert. Petra Schwarz, Sprecherin der Senatswirtschaftsverwaltung, kennt die Fakten: "Die Anzahl der Unternehmen im Kunstmarkt ist von 2004 bis 2005 um 7,9 Prozent gewachsen. Der Umsatz hat sich im selben Zeitraum um 5,9 Prozent gesteigert", sagt sie. Etwa 400 Galerien und 5500 Bildende Künstler gibt es in der Stadt, hinzukommen 200 Museen und Ausstellungshallen in teils privater Trägerschaft.

Die Szene hat sich vor allem in Mitte angesiedelt, neben der Auguststraße entstand in den vergangenen zwei Jahren rund um die Rosenthaler Straße ein eigenes Viertel mit mittlerweile etwa 20 Ausstellungsräumen. Ein neues Kunst-Quartier ist auch rund um den ansonsten eher tristen Checkpoint Charlie gewachsen. Hier siedelten sich seit 2006 mehr als zwei Dutzend Galerien an.

Die weniger betuchten Newcomer der Kunstszene bevorzugen insbesondere die günstigen Quartiere, von denen es in Berlin viele gibt und die sich über die ganze Stadt verteilen. Oftmals sind das leerstehende Industriebauten, etwa in Oberschöneweide.

Nach dort zieht es inzwischen allerdings auch etablierte Aussteller. Ein Beispiel dafür liefern die Schauhallen Berlin am Spreeufer. In sie zieht die Sammlung Goetz. Ein ähnliches Projekt, der im Bau befindliche Kunst-Campus hinter dem Hamburger Bahnhof, soll ab März 2008 neue Heimat für rund sechzehn Galerien werden.

Aber es gibt auch die weniger spektakulären Projekte wie etwa in Neukölln an der Pflügerstraße, wo sich eine kleine Galerien-Meile etabliert hat. Zwischen Dönerbuden und türkischen Gemüsehändlern sieht man in Schaufenstern nun zunehmend Werke junger Künstler.

"Ihren Umsatz machen die Berliner Galeristen allerdings nicht mit dem Berliner Publikum", sagt Ebert. Kaufen würden vor allem Touristen und Kunstsammler aus aller Welt, zunehmend Amerikaner. "Die Sammler kommen inzwischen überaus gern nach Berlin, weil sie hier neben den Galerien ein vielschichtiges kulturelles Leben und erstklassige Hotels vorfinden", weiß Ebert aus vielen Gesprächen mit Kunstliebhabern. Große Gewinne machen laut Ebert allerdings höchsten zehn Prozent der Galerien. "Viele andere leisten mit wenig Mitteln zwar Pionierarbeit, kostendeckend arbeiten sie aber nicht.".