Die Berliner Brennpunkte des 17. Juni 1953 - damals und heute

Grenzübergang Chausseestraße

Rund 10 000 Stahlarbeiter aus Hennigsdorf, die durch Reinickendorf marschierten, überschritten gegen 11.15 Uhr die Sektorengrenze zu Ostberlin - und wurden von Passanten und Bewohnern der anliegenden Häuser, die an den Fenstern standen, begeistert empfangen. Von dem Grenzübergang gibt es 50 Jahre später bis auf einige leer stehenden, abrissreif wirkende Häuser unmittelbar am ehemaligen Todesstreifen kaum noch Spuren. Die Chausseestraße ist zur viel befahrenen Verbindungsader zwischen den Stadtteilen Mitte und Wedding geworden.

Columbushaus am Potsdamer Platz

Das Columbushaus beherbergte im Juni 1953 einen HO-Laden und eine Polizeiwache und befand sich unmittelbar am Potsdamer Platz. Auch hier versammelten sich viele Berliner. Gegen 13 Uhr trafen die ersten sowjetischen Panzer und Angehörige der Kasernierten Volkspolizei ein. Kurz danach gab es Maschinengewehrfeuer. Gegen 16.45 geriet das Columbushaus in Brand. Westberliner Feuerwehr versuchte vergeblich, es zu löschen.

Lustgarten / Marx-Engels-Platz

Am 17. Juni 1953 versammelten sich hier gegen Mittag etwa 50 000 Berliner. Hier war auch einer der ersten Einsatzorte für rabiate Gegenmaßnahmen: Russische T 34-Panzer und Panzerspähwagen fuhren durch die Menge und trieben sie auseinander. Demonstranten reagierten mit Steinwürfen. Heute gehört der Lustgarten zu den schönsten Plätzen Berlins.

Zimmerstraße / Checkpoint Charlie

Einer der größten Brennpunkte des 17. Juni befand sich in der Zimmerstraße. Gegen 12.30 Uhr fuhren hier sowjetische Panzer in die aufgebrachte Menge. Daraufhin kam es in den Straßen unmittelbar neben dem Checkpoint Charlie zu erbitterten Straßenschlachten. Demonstranten wehrten sich mit Knüppeln und Steinen. Heute erinnert ein Denkmal an der Leipziger-, Ecke Wilhelmstraße an den Aufstand.

Sitz des SED-Politbüros in der Wilhelm-Pieck-Straße

1953 befand sich in diesem Gebäude in der Wilhelm-Pieck-Straße 1 (heute Torstraße) der Sitz des Politbüros der SED. Demonstranten warfen Steine in die Scheiben und forderten die Absetzung Wilhelm Piecks (Foto links oben). Heute steht das Gebäude verlassen zum Verkauf.

Berolina-Haus am Alexanderplatz

Gegen 11.30 wurde das Berolina-Haus, Sitz der Bezirksverwaltung von Berlin-Mitte von Demonstranten gestürmt und verwüstet. Fast zur gleichen Zeit gab es auch die ersten Straßenschlachten auf dem Alexanderplatz. 1993 wurde das Berolina-Haus von der Landesbank Berlin (LBB) gekauft. Bis Mai 1998 beherbergte es aber noch das Bezirksamt Mitte. Seitdem steht das Berolina-Haus leer. Die LBB will das Gebäude aber nun doch nicht selber nutzen und es noch in diesem Sommer per Ausschreibung zum Verkauf anbieten.

Strausberger Platz / Stalinallee

Ab sechs Uhr befand sich an dem Platz unmittelbar an der Stalinallee der Sammelpunkt der Streikenden. Hier war auch der Ausgangspunkt von Demonstrationszügen in Richtung Regierungsviertel. Polizei versuchte vergeblich, die Ansammlungen aufzulösen. Auch am 16. Juni zogen von hier aus schon Tausende Bauarbeiter zum Haus der Ministerien und verlangten nach SED-Chef Ulbricht und Ministerpräsident Grotewohl. Heute ist der Platz mit seinem großen Springbrunnen noch immer ein markanter Punkt der denkmalgeschützten Allee.

Magerviehhof in Alt-Friedrichsfelde

Hier befand sich der Sammelplatz für festgenommene Demonstranten. Vom Abend des 17. Juni bis in die Morgenstunden des 18. Juni wurden von Vopo, Kräften der Staatssicherheit und der Roten Armee mehr als 2500 Personen festgenommen und zum Magerviehhof gebracht. Später waren hier Abteilungen der 1956 gegründeten Nationalen Volksarmee stationiert. Heute ist der größte Teil des Geländes unweit des S-Bahnhofes Friedrichsfelde Ost verwaist.