Heidenau

Demonstranten beschimpfen Merkel als "Volksverräterin"

Bundeskanzlerin Merkel hat das Flüchtlingsheim in Heidenau besucht. Vor Ort wurde sie von Demonstranten beschimpft.

Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich, Bundeskanzlerin Angela Merkel und Heidenaus Bürgermeister Jürgen Opitz (von links) in Heidenau

Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich, Bundeskanzlerin Angela Merkel und Heidenaus Bürgermeister Jürgen Opitz (von links) in Heidenau

Foto: AXEL SCHMIDT / REUTERS

Demonstranten haben den Besuch von Kanzlerin Angela Merkel im Flüchtlingsheim im sächsischen Heidenau mit einem Hupkonzert gestört. Vor der Unterkunft fuhren am Mittwochmittag zahlreiche Autofahrer mit ihren Wagen hupend vorbei. Mehrere hundert Menschen begrüßten jedes einzelne Auto laut rufend und mit Beifall. In sozialen Netzwerken hatten rechte Gruppen zu der Aktion aufgerufen.

Mehrere Demonstranten beschimpften die vielen Journalisten mit Sprechchören: „Lügenpresse, Lügenpresse.“ Bei Merkels Ankunft wurde „Volksverräter, Volksverräter“ gerufen.

Merkel war von Ministerpräsident Stanislaw Tillich und Bürgermeister Jürgen Opitz (alle CDU) begrüßt worden. Sie wollte mit Flüchtlingen, Helfern und Sicherheitskräften sprechen. Rechtsextremisten und Rassisten hatten in der Kleinstadt bei Dresden Asylbewerber bedroht und Polizisten angegriffen. Es ist der erste Besuch der Kanzlerin in einem Asylbewerberheim.

Bei der Ankunft der Kanzlerin gab es auch „Buh“-Rufe von Zuschauern. Aus einer Gruppe von einigen Dutzend schallte der Ruf: „Wir sind das Pack.“ Als „Pack“ hatte am Montag SPD-Chef Sigmar Gabriel diejenigen bezeichnet, die in den vergangenen Tagen gegen Flüchtlinge und ihre Unterkünfte randaliert hatten. „Wir sind das Volk“ war dagegen die Parole unter anderem der Montagsdemonstrationen in Leipzig, die das Ende der DDR einläuteten.

"Es gibt keine Toleranz gegenüber denen, die die Würde anderer Menschen in Frage stellen", sagte Merkel nach Gesprächen mit Flüchtlingen und Helfern in der Unterkunft, gegen die in den vergangenen Tagen Rechtsextreme randaliert hatten. Die Kanzlerin fügte hinzu, es gebe auch keine Toleranz gegenüber denen, "die nicht bereit sind, zu helfen, wo rechtlich und menschlich Hilfe geboten ist".

Die Angriffe rechter Randalierer nannte sie "beschämend und abstoßend". Merkel rief die Bürger dazu auf, ihre Ablehnung solcher Parolen und Aggressionen "deutlich zu machen" beispielsweise in gemeinsamen Gebeten, durch Einsätze für Flüchtlinge und in Gesprächen mit anderen. Je mehr Menschen dies täten, "um so besser werden wir die Aufgaben bewältigen können".

Die Kanzlerin sagte weiter, dass die Versorgung der großen Zahl nach Deutschland kommender Flüchtlinge eine "riesige Herausforderung" sei. Um sie zu bewältigen, müssten auch "neue Wege" gegangen werden.

Bundespräsident Joachim Gauck besuchte am Mittwoch eine Flüchtlingsunterkunft in Berlin. Er lobte im Anschluss das „leuchtende“ Beispiel der vielen freiwilligen Helfer in Deutschland. Zugleich kritisierte er die Angriffe auf Flüchtlinge und ihre Heime als „Dunkeldeutschland“.