Asylbewerber

Präsident Gauck - Es gibt ein helles Deutschland

Joachim Gauck hat in Wilmersdorf die Arbeit der Freiwilligen gelobt. Über rechte "Hetzer" sagte er: "Ihr repräsentiert uns nicht."

Selfie mit Bundespräsident - auch diesen Spaß machte Joachim Gauck im Rathaus Wilmersdorf mit

Selfie mit Bundespräsident - auch diesen Spaß machte Joachim Gauck im Rathaus Wilmersdorf mit

Foto: ODD ANDERSEN / AFP

Bundespräsident Joachim Gauck hat angesichts der Übergriffe auf Flüchtlingsheime die Arbeit von Freiwilligen und sozialen Diensten für Asylbewerber in Deutschland gewürdigt.

Nach dem Besuch einer Flüchtlingsunterkunft im ehemaligen Rathaus Wilmersdorf in Berlin bezeichnete das Staatsoberhaupt Rechtsextremisten und Ausländerfeinde am Mittwoch als Hetzer, die das weltoffene Bild Deutschlands beschädigten. Gauck lobte die „vielen Freiwilligen, die zeigen wollen, es gibt ein helles Deutschland, das hier sich leuchtend darstellt gegenüber dem Dunkeldeutschland, das wir empfinden, wenn wir von Attacken auf Asylbewerberunterkünfte oder gar fremdenfeindlichen Aktionen gegen Menschen hören“.

Gauck suchte bei seiner Visite das Gespräch mit Flüchtlingen und Helfern. Das Heim im ehemaligen Rathaus Wilmersdorf war erst vor rund zwei Wochen eingerichtet worden. Untergebracht sind dort über 500 Flüchtlinge, betrieben wird die Einrichtung vom Arbeiter-Samariter-Bund (ASB).

Gauck wirbt um Verständnis für Behörden

Gauck zeigte sich überzeugt, dass Rechtsextremisten und Ausländerfeinde durch die große Mehrheit hilfsbereiter Menschen isoliert werden. „Es wird keinen Deutschen geben, der sich hier erlauben würde, Verständnis für diejenigen zu zeigen, die als Hetzer und Brandstifter unser Land verunzieren.“ Gauck ergänzte: „Ihr repräsentiert uns nicht, und wir werden schon gar nicht dulden, dass Rechtsbrecher (...) im Ausland und im Inland für dieses Deutschland stehen, das sich heute als offenes und hilfsbereites Land darstellt.“

Zugleich warb Gauck um Verständnis für die Behörden: „Wir können ein Landes- oder Bundesamt, das plötzlich überrollt wird von einem Massenansturm, nicht nur tadeln.“ Man müsse Geduld haben.

An die Flüchtlinge gerichtet sagte er: „Es darf auch keine Anspruchshaltung entstehen.“ Bund, Länder und Kommunen müssten enger zusammenarbeiten. Deutschland sei in der Lage, die vielen hunderttausend Menschen aufzunehmen. Nach dem Zweiten Weltkrieg seien es in der damals bettelarmen und zerstörten Bundesrepublik Millionen gewesen.

Angela Merkel reist nach Heidenau

Nach offizieller Prognose kommen in diesem Jahr bis zu 800.000 Flüchtlinge nach Deutschland. Das wären etwa viermal so viele Menschen wie im Vorjahr.

Nach den rechten Ausschreitungen im sächsischen Heidenau besucht Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) am Mittwoch die dortige Flüchtlingsunterkunft. In Heidenau hatten Rechtsextremisten und Rassisten in den vergangenen Tagen Asylbewerber bedroht und Polizisten angegriffen.Vize-Kanzler und SPD-Chef Sigmar Gabriel war bereits am Montag vor Ort. Merkel war hingegen ein zu zögerliches Verhalten vorgeworfen worden .

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