Es ist eine unangenehme Situation. Bundeskanzlerin Angela Merkel hat einen Auftritt bei einem Bürgerdialog in Rostock. Ein palästinensisches Flüchtlingsmädchen erzählt seine Geschichte. Reem besucht die sechste Klasse einer deutschen Schule, aber ihre Zukunft ist ungewiss. Sie ist vor vier Jahren über den Libanon nach Deutschland gekommen, seitdem läuft das Asylprüfungsverfahren für ihren Vater. Reem sagt, sie wolle irgendwann in Deutschland studieren. Sie möge Sprachen. Aber es sei alles unklar.
Wer Angela Merkel einmal in solchen Situationen erlebt hat, der kennt die Vorsicht der Kanzlerin. Sie würde niemals ein falsches Versprechen geben, nur um einen schnellen Erfolg zu erzielen. Deshalb sagt sie, dass es schneller gehen müsse mit der Asylprüfung. Dass eine derart lange Zeit eine Zumutung darstelle. Und vielleicht weil das eine ehrliche Antwort ist, weil sie keine Zukunftsperspektive für Reem und ihre Familie eröffnet, beginnt Reem zu weinen.
Merkel reagiert so unbeholfen, wie viele Menschen auf weinende Kinder reagieren würden, wenn ihnen die Öffentlichkeit dabei zusieht. Sie legt den Kopf zur Seite und sagt: „Och komm.“ Sie geht auf Reem zu und streichelt ihr über den Kopf. Sie sagt den seltsamen Satz: „Du hast das doch prima gemacht“, als wäre Reems Problem nur ihr Wortbeitrag in einer Fernsehsendung gewesen. Aber man sagt halt seltsame Dinge, wenn man unsicher ist.
In sozialen Netzwerken wie Twitter ist unter dem Hashtag #merkelstreichelt nun eine Diskussion über die vermeintliche Gefühlskälte der Kanzlerin entbrannt. „Wie? Merkel hat kein Mitgefühl?“, meint etwa ein User namens Jan Hendrik Becker, „Vielleicht sollte sie es einmal mit Mietgefühl versuchen.“ Dabei zeigt Merkel schon das Höchstmaß an Zuwendung, das ihr in ihrer Rolle möglich ist. Dass sie diese Rolle nicht vergisst und nicht aus ihr fällt, gehört zu ihren Aufgaben als Bundeskanzlerin.
Die Bunderegierung reagierte auf Facebook auf die Empörungswelle und wies auf das Video in voller Länge hin.
Liebe Community, im Netz diskutieren viele Nutzer über ein Gespräch der Kanzlerin mit einer libanesischen Schülerin....
Posted by Bundesregierung on Donnerstag, 16. Juli 2015




