In diesem Monat werden voraussichtlich 3300 Menschen in Berlin einen Asylantrag stellen, vielleicht werden es auch noch mehr.
Das sind Zahlen, die selbst Sozial- und Innenexperten noch vor wenigen Monaten für unvorstellbar hielten.
Wir erinnern uns: Vor einem Jahr überschritt die Zahl der Flüchtlinge erstmals in einem Monat die Marke von 1000. In der Folge musste das Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lageso) an der Moabiter Turmstraße für mehrere Tage geschlossen werden, weil die völlig überlasteten Mitarbeiter erst mal den Berg der aufgelaufenen Asylanträge abtragen mussten.
Es ist bemerkens- und lobenswert, dass das seitdem nicht mehr passierte, obwohl Arbeitstage von zehn oder zwölf Stunden in der Behörde immer mehr zur Regel werden und selbst um 21 Uhr noch Klienten bedient werden.
Entlastung, die nicht ausreicht
Die Situation in den Flüchtlingsheimen ist angesichts des Zustroms ebenso angespannt. 1800 Asylbewerber sind derzeit in Hostels untergebracht, was nicht wirklich eine gute Lösung darstellt. Viele Unterkünfte sind überbelegt, teilweise müssen selbst in Gemeinschaftsräumen Betten aufgestellt werden.
Der Senat will in den nächsten beiden Jahren 36 neue Heime für mehr als 7000 Menschen bauen, das hilft allerdings aktuell nicht. Die in diesem Jahr eröffneten Containerdörfer bieten Platz für mehr als 2000 Menschen. Das sorgt für Entlastung, reicht aber nicht.
Bisher hat das Lageso unter dem Druck des Flüchtlingsstroms Verträge mit Anbietern von Flüchtlingsunterkünften gemacht, die nach Ansicht externer Wirtschaftsprüfer fragwürdig waren.
Rückkehr zum alten System keine Alternative
Sozialsenator Mario Czaja (CDU) hat in den vergangenen Wochen die Unterbringungsleitstelle neu aufgestellt. Verträge für neue Unterkünfte sollen trotz des Zeitdrucks so abgeschlossen werden, dass sie Menschen eine gute Unterkunft und Betreuung garantieren und gleichzeitig wirtschaftlich für das Land Berlin sind. Alte Verträge werden überprüft, das Geld für nicht erbrachte Leistungen zurückgefordert.
Das alles kostet Zeit. Doch was wäre die Alternative? Die Rückkehr zum alten System? Auf keinen Fall, auch wenn die Unterbringung der Flüchtlinge noch einige Monate problematisch bleibt.


