Für die Choreografin Sasha Watlz ist dieser Tage ein Traum geplatzt, für die Kulturpolitikerin Monika Grütters erfüllt sich einer: Die CDU-Bundestagsabgeordnete wird Kulturstaatsministerin und so ins Kanzleramt einziehen.

Am Sonnabend hieß es aus der CDU noch, dass Johanna Wanka, bislang Bildungsministerin, die Nachfolge von Bernd Neumann antreten würde, am Sonntag hatte sich das Blatt offenbar gewendet. Kurzfristige Entscheidungen über die Besetzung dieses Postens sind nichts Ungewöhnliches, Vorgänger Bernd Neumann (CDU) erzählte einmal die Geschichte seiner eigenen Inthronisation: Er habe die Kanzlerin einen Tag vor der Wahl der Regierung gefragt, wer sich denn nun künftig um die Kultur kümmern solle, und Angela Merkel habe geantwortet: „Das machen Sie, Herr Neumann!“

Grütters wird ihr diplomatisches Geschick brauchen

Mit Grütters kommt nun erstmals eine Abgeordnete aus Berlin in dieses Amt. Das ist nicht unpikant. Über die Hälfte des gut eine Milliarde Euro umfassenden Etats des Kulturstaatsministers fließt in die Hauptstadt. Das weckt Begehrlichkeiten, denn der Großteil der Abgeordneten kommt nun mal nicht aus Berlin. Das weiß Grütters, die ihre politische Karriere im Abgeordnetenhaus startete und in der vergangenen Legislaturperiode dem Bundestagsausschuss für Kultur und Medien vorsaß. Sie kennt die Stimmungen und verfügt über diplomatisches Geschick.

So musste sich Neumann schon mal dafür rechtfertigen, dass ein Projekt in seiner Heimatstadt Bremen gefördert wurde. Aber Berlin ist nun mal die Hauptstadt, das akzeptieren Politiker aus dem Westen oder Süden schon, und es hat damit auch eine Schaufenster- und Vorbildfunktion. Hier können Modelle ausprobiert werden, die dann in anderen Städten oder Regionen umgesetzt werden können.

Grütters weist bei Veranstaltungen gern darauf hin, um für mehr Verständnis für die Berlin-Förderung zu werben. Die ist auch dem Umstand geschuldet, dass in der Hauptstadt vom Bund finanzierte Einrichtungen wie die Stasi-Unterlagenbehörde, der Zweitsitz der Deutschen Welle, die Stiftung Preußischer Kulturbesitz, die Akademie der Künste oder die Kulturveranstaltung GmbH mit den Berliner Festspielen, der Berlinale, dem Haus der Kulturen der Welt und dem Martin-Gropius-Bau angesiedelt sind. Im Rahmen der Koalitionsverhandlungen tagte die Arbeitsgruppe in einigen dieser Institutionen. Das kann man durchaus als vertrauensbildende Maßnahme bezüglich der weiteren Finanzierung betrachten.

Blatt für Sasha Waltz könnte sich wenden

Und vielleicht wendet sich das Blatt noch für Sasha Waltz, deren Hoffnung auf mehr Geld vom Land Berlin für ihre Tanzcompagnie sich nicht erfüllte. Aber im Koalitionsvertrag auf Bundesebene wird der zeitgenössische Tanz explizit erwähnt: „Auch die Förderung des Bundes für die innovative und international ausstrahlende Kunstform Tanz soll im Dialog mit den Ländern und im Rahmen eines zeitgemäßen, nachhaltig wirkenden Förderprogramms weiter entwickelt werden.“

Eine Formulierung, wie gemacht für Sasha Waltz, die viele als legitime Erbin von Pina Bausch ansehen, und die in den vergangenen Jahren mehr im Ausland auftrat als in Berlin. Mit Grütters, die man häufiger bei Premieren im Theater antrifft, dürfte sie eine Fürsprecherin haben.