Arbeitslosengeld II

Viele Kinder in Berlin leben dauerhaft von Hartz IV

| Lesedauer: 3 Minuten

Foto: Patrick Seeger / dpa

Fast jeder zweite Hartz-IV-Empfänger bezieht die Leistung schon seit mehr als vier Jahren. Besonders häufig sind Kinder betroffen. In Berlin lebt jedes dritte Kind in einer Hartz-IV-Familie.

Jeder zweite Hartz-IV-Empfänger erhält nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit (BA) bereits seit vier Jahren Geld vom Jobcenter. Von den sechs Millionen Hartz-IV-Betroffenen seien im Jahr 2012 mehr als 2,8 Millionen oder 46,5 Prozent auf die sogenannte Grundsicherung angewiesen, berichtete BA-Sprecherin Anja Huth am Freitag und bestätigte damit einen entsprechenden Bericht der „Bild“-Zeitung. Im Westen betrug diese Quote 43,9 Prozent, im Osten 52,2 Prozent. Am geringsten war die Quote mit 36,7 Prozent in Bayern, am höchsten in Sachsen-Anhalt mit 53,5 Prozent. Allerdings sei nur ein Teil davon arbeitslos, so die Sprecherin. Die Zahlen sagen daher nicht unbedingt etwas über die Situation von Langzeitarbeitslosen in Deutschland aus.

Zu jenen, die über einen längeren Zeitraum Hartz IV bezögen, gehörten allein 300.000 alleinerziehende Frauen: Sie verzichteten von sich aus auf eine Jobvermittlung und bezögen drei Jahre lang Grundsicherung, um sich auf die Kindererziehung konzentrieren zu können, gab die BA-Sprecherin zu bedenken. Hinzukämen rund 1,2 Millionen sogenannte Aufstocker, die zwar einen Job hätten, davon aber nicht leben könnten. „Etliche von ihnen verdienen dabei gar nicht schlecht, erhalten aber wegen ihrer großen Familie ergänzend Hartz-IV“, erläutert BA-Sprecherin Anja Huth.

Richtig sei, dass besonders häufig Kinder Hartz IV beziehen müssten. In der Altersgruppe der 7- bis 15-Jährigen, die Hartz IV bekommen, seien bundesweit 56,1 Prozent schon seit mehr als vier Jahren auf Grundsicherungsleistungen angewiesen.

Neukölln besonders betroffen

„Dabei darf nicht vergessen werden, dass die Kinder mit dem Hartz-IV-Bezug ihrer Eltern automatisch ebenfalls zu Hartz-IV-Empfängern werden“, erläuterte Huth. Trotzdem sehe die Bundesagentur diese Entwicklung mit Sorge.

In Berlin lebt jedes dritte Kind lebt in einer Hartz-IV-Familie. Die meisten von ihnen wohnen in den Bezirken Mitte, Neukölln und Friedrichshain-Kreuzberg, wie aus einer Antwort auf eine parlamentarische Anfrage der Linksfraktion hervorgeht, die vor kurzem veröffentlich wurde. Insgesamt gab es demnach im Jahr 2012 genau 168.006 ärmere Kinder in der Hauptstadt – nur 72 Kinder weniger als ein Jahr davor. Besonders stark gestiegen ist die Zahl der Kinder, deren Eltern einen Migrantenhintergrund haben und zugleich Arbeitslosengeld II beziehen – von 62.854 auf 84.672.

Jedes zweite Kind aus Mitte stammt aus einer Hartz-IV-Familie

Die Unterschiede zwischen den Bezirken sind deutlich: So stammt jedes zweite Kind in Mitte aus einer Hartz-IV-Familie. In Steglitz-Zehlendorf dagegen ist es gerade einmal jedes neunte. Bei den jüngsten Kindern unter acht Jahren nimmt der Bezirk Neukölln mit 53 Prozent die traurige Spitzenposition ein.

Was die Situation von Langzeitarbeitslosen angehe, so hat sich in Deutschland nach Einschätzung der Bundesagentur für Arbeit die Situation in den vergangenen Jahren spürbar verbessert. „Wir haben über 700.000 Langzeitarbeitslose weniger als 2007. Noch nie waren so wenige Menschen auf Leistungen der Grundsicherung angewiesen wie im vergangenen Jahr“, erläuterte das für Hartz IV zuständige BA-Vorstandsmitglied Heinrich Alt. Wer Menschen, die schon länger arbeitslos waren, in Arbeit bringen wolle, brauche einen langen Atem. Es dauere oft Jahre, Menschen mit Schulden, Drogensucht oder einer Erkrankung für den Arbeitsmarkt fit zu machen. „Erfolge zeigen sich deshalb nicht unbedingt von heute auf morgen“, so Alt.

Neueste Politik Videos

Neueste Politik Videos

Beschreibung anzeigen