"Frosch"-Anekdote

FDP-Chef Rösler verteidigt TV-Auftritt bei Lanz

Nach dem offen zur Schau getragenen Triumph von Philipp Rösler über seinen Gauck-Coup knirscht es in der Koalition. Doch der FDP-Chef ist sich keiner Schuld bewusst. In der Wählergunst schlägt sich Röslers gefühlter Höhenflug nicht nieder.

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Der FDP-Vorsitzende Philipp Rösler hat seinen umstrittenen Talkshow-Auftritt mit Spitzen gegen Kanzlerin Angela Merkel (CDU) verteidigt. Der Vizekanzler und Wirtschaftsminister sagte der Zeitung „Bild am Sonntag“: „Die Sendung war richtig. Ich wusste vorher, was ich überbringen wollte.“

Wegen der ausschlaggebenden Rolle der FDP bei der Nominierung Joachim Gaucks zum Bundespräsidentschafts-Kandidaten und nach der ZDF-Sendung „Markus Lanz“ habe er viel Lob erhalten.

„Die FDP weiß jetzt, dass sie einen Punkt gemacht hat“, sagte Rösler. „Ich habe sehr viele positive E-Mails erhalten.“ Der FDP-Chef will aber nun zu einer sachlichen Auseinandersetzung mit der Union zurückkehren. „Ich habe eine klare Linie ausgegeben: Haltet den Ball flach. In der Koalition wird ruhig weitergearbeitet.“

In der ZDF-Talkshow war Rösler am Donnerstagabend mit einer Anekdote aus seiner Parteitagsrede vom Mai 2011 konfrontiert worden. Damals sagte er als Warnung vor dem Image als "netter Herr Rösler“ : „Wenn Sie einen Frosch in kaltes Wasser setzen und langsam die Temperatur erhöhen, wird er zuerst nichts merken und nichts machen. Und wenn er etwas merkt, dann ist es zu spät für den Frosch.“

Lanz fragte in der Sendung: „Wann hat Frau Merkel gemerkt: Ich bin der Frosch?“ Die Antwort des FDP-Chefs im TV-Studio: „Schätzungsweise bei der besagten Telefonschaltkonferenz des CDU-Präsidiums.“ Denn in diese Sitzung ließ die FDP am vorigen Sonntag ihre überraschende Kunde vom Votum für den Kandidaten von SPD und Grünen, Gauck, platzen. Da hatte sich Merkel gerade gegen Gauck positioniert.

Aus der FDP-Führung wurde nach der Talkshow signalisiert, mit der Frosch-Passage sei es Rösler in seiner Parteitagsrede darum gegangen, schleichenden Freiheitsverlust zu illustrieren. Darauf habe er in der TV-Sendung ja auch gleich hingewiesen. „Andere Interpretationen verbieten sich.“

Rund 1000 Reaktionen von ihrer Parteibasis erhielt die FDP-Spitze bis zum Wochenende zur Gauck-Nominierung, berichtete die Bielefelder „Neue Westfälische“. In 561 E-Mails, in vielen Telefonaten und SMS beschäftigen sich die FDP-Anhänger mit der Durchsetzung des Kandidaten. Wie die Zeitung aus Parteikreisen erfuhr, waren 90 Prozent der Wortmeldungen zustimmend – soviel Resonanz von der Basis habe es zuletzt bei der Bundestagswahl 2009 gegeben.

Trotz ihrer Unterstützung für den populären Ex-DDR-Bürgerrechtler Gauck als Präsidentschaftskandidat stagniert die FDP in der Wählergunst. Im aktuellen „Sonntagstrend“ des Institutes Emnid im Auftrag von „Bild am Sonntag“ verharren die Liberalen mit 3 Prozent auf dem Wert der Vorwoche. Die SPD, die Gauck bei der Bundespräsidentenwahl vor eineinhalb Jahren als Kandidat aufstellte, gab im Vergleich zur Vorwoche sogar einen Prozentpunkt ab (27 Prozent). Stärkste Kraft bleibt unverändert die Union mit 35 Prozent. Um jeweils einen Prozentpunkt zulegen konnten Grüne (15) und Linkspartei (8), die Piratenpartei liegt unverändert bei 9 Prozent.