Bundespräsident

Debatte um Joachim Gaucks wilde Ehe entbrannt

Joachim Gauck ist verheiratet, lebt aber seit vielen Jahren mit der Journalistin Daniela Schadt zusammen. Sie würde bei seiner Wahl zum Bundespräsidenten als First Lady ins Schloss Bellevue ziehen. Der Gedanke an diese Rolle ist für die 52-Jährige noch "ein bisschen unwirklich".

Muss ein Bundespräsident „ordentliche“ Lebensverhältnisse haben? Nach seiner Nominierung für das Präsidentenamt ist eine Debatte darüber entbrannt, ob Joachim Gauck seine langjährige Lebensgefährtin heiraten und sich von seiner Frau scheiden lassen soll. „Es dürfte wohl im Interesse des Herrn Gauck selbst sein, seine persönlichen Verhältnisse so schnell als möglich zu ordnen, damit insoweit keine Angriffsfläche geboten wird“, sagte der CSU-Familienpolitiker Norbert Geis der „Passauer Neuen Presse“.

Gauck ist seit zwölf Jahren mit der Nürnberger Journalistin Daniela Schadt liiert, die ihn im Falle seiner Wahl zum Bundespräsidenten am 18. März als First Lady ins Schloss Bellevue begleiten würde. Vor seiner Kandidatur 2010 hatte Gauck versichert, seine Lebensgefährtin heiraten zu wollen, wenn er Präsident werde. Die Ehe mit seiner ersten Frau ist jedoch noch nicht geschieden. Gauck hat vier erwachsene Kinder, lebt von seiner Frau seit 1991 getrennt. Zu einer möglichen Ehe mit Schadt sagte Gauck 2010: „Schnelle Heirat ist ausgeschlossen, spätere nicht unbedingt.“ Schadt selbst war noch nicht verheiratet, sie ist auch kinderlos.

Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse (SPD) sagte dem Sender N24: „Ich unterstelle mal, dass er seine Lebenspartnerin auch liebt.“ Die Frau, mit der man zusammenlebe und mit der man auch weiter zusammenleben wolle, könne man doch auch heiraten. Zu dem Einwand, dass Gauck ja noch gar nicht geschieden ist, sagte Thierse: „Das ist ja dann ein Vollzug. Also, ich würde daraus keine Staatsaffäre machen.“

Auch Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) schaltete sich in die Debatte um Gaucks wilde Ehe ein. „Die Kritik an den persönlichen Lebensverhältnissen des nominierten Bundespräsidenten ist stillos“, sagte Westerwelle der „Rheinischen Post“. Deutschland sei ein modernes Land, betonte Westerwelle.

Linke-Chef Klaus Ernst nannte die ganze Debatte völlig überflüssig. Im Kurznachrichtendienst Twitter schrieb er am Dienstag: „Was für eine mittelalterliche Debatte! Es gibt viel, was gegen Gauck als Präsident spricht, seine Lebensverhältnisse gehören nicht dazu.“

Eine scharfe Absage bekam Geis auch vom SPD-Innenexperten Dieter Wiefelspütz. „Ich kann meinem Freund Norbert Geis nur zurufen: Halt den Mund!“, sagte Wiefelspütz der „Mitteldeutschen Zeitung“. „Das ist eine abwegige Diskussion. Als ob wir keine anderen Sorgen hätten!“

Der Parlamentarische Geschäftsführer der Grünen-Fraktion im Bundestag, Volker Beck, sagte: „Wie Herr Gauck sein Privatleben lebt, geht niemanden etwas an. Und es bildet einen Teil der Realität ab, dass auch Unverheiratete zusammen leben. Ich erwarte da von Herrn Geis den entsprechenden Respekt.“ Gaucks Privatleben sei geordnet, aber eben „anders geordnet“.

Protokollarisch ist der Fall für das Bundespräsidialamt indes klar: „Das Grundgesetz sieht keine 'First Lady' vor“, sagt der stellvertretende Sprecher des Amtes, Martin Schulze. „Allerdings wird sehr wohl erwartet, dass die Partnerin gewisse ehrenamtliche Verpflichtungen wahrnimmt.“ Und das seien nicht wenige. So war Bettina Wulff etwa Schirmherrin des Kinderhilfswerks Unicef Deutschland; ein Ehrenamt, das auch schon ihre Vorgängerin Eva Luise Köhler innehatte – eines von vielen. Der Bundestag, der über den Staatshaushalt befindet, habe für die „Frau des Bundespräsidenten“ ein Büro mit Sekretärin und Referenten vorgesehen, heißt es zudem im Präsidialamt. Die „Frist Lady“ verfügt über ein Budget, Chauffeur und Leibwächter inbegriffen. Für Daniela Schadt wird dies nicht anders sein – verheiratet oder nicht.

Gelassenheit zeigte sich auch die evangelische Kirche: „Das ist Gaucks Privatangelegenheit. Da haben wir uns nicht einzumischen“, sagt die evangelische Berliner Generalsuperintendentin Ulrike Trautwein. Joachim Gauck sei ein Mensch, dem man keinen unsoliden Lebenswandel nachsagen könne. „Beide werden eine Entscheidung treffen, die gut ist und für sie stimmt. Darauf sollten wir vertrauen.“

Der Gedanke an ihre künftige Rolle als First Lady ist für die langjährige Lebensgefährtin Gaucks noch „ein bisschen unwirklich“. Was künftig alles auf sie zukomme, vermöge sie sich nicht recht vorzustellen, offenbarte Daniela Schadt in einem Interview mit der „Nürnberger Zeitung“, bei der sie als Leitende politische Redakteurin beschäftigt ist. „Ich muss mich noch ein bisschen sortieren“, fügte sie hinzu. Sicher werde sich jetzt in ihrem Leben viel ändern. Aber so richtig wahrhaben könne sie die Umstellung noch nicht.

Die Vorstellung, mit Michelle Obama beim Damenprogramm zu sitzen, sei für sie derzeit noch sehr abstrakt. Von der Entscheidung für Gauck sei sie schon sehr überrascht gewesen. „Wir haben uns natürlich mit dem Thema auseinandergesetzt“, sagte die 52-jährige Schadt. Jetzt freue sie sich auf die neue Aufgabe. Für diese Woche habe sie sich erst einmal Urlaub genommen, um zu ihrem Partner nach Berlin zu fahren. Von dessen parteiübergreifender Nominierung zum Bundespräsidenten-Kandidaten habe sie erst am späten Sonntagabend im Zug auf der Rückfahrt von Wien erfahren. Schadt hatte das Wochenende zusammen mit Gauck in der österreichischen Hauptstadt verbracht.

Nach ihrer Rückkehr nach Nürnberg in der nächsten Woche stünden erst einmal berufliche Entscheidungen an. Näher wollte sie sich dazu zunächst nicht äußern. „Ich werde das einfach auf mich zukommen lassen“, sagte sie in einem Interview mit dem Schwesternblatt der NZ, den „Nürnberger Nachrichten“ (NN). Beide Blätter gehören zum Verlag Nürnberger Presse. Fragen zu einer möglichen Heirat mit Gauck wehrte sie ab: Ihr Privatleben wolle sie aus verständlichen Gründen „nicht ventilieren“, wurde sie in den „Nürnberger Nachrichten“ zitiert. Erst einmal müsse sie die Nominierung verdauen.