Günther Oettinger

"Wein- und Buchgeschenke zu bekommen, ist normal"

Als Ministerpräsident von Baden-Württemberg war Oettinger selbst Schirmherr der umstrittenen Lobby-Veranstaltungsreihe "Nord-Süd-Dialog". Er nimmt Wulff in Schutz.

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Morgenpost Online : Welche Erinnerung haben Sie an den „Nord-Süd-Dialog“?

Günther Oettinger : Das war eine Veranstaltung für Repräsentanten der Wirtschaft, der Medien, der Kultur, des Sports und der Politik aus Baden-Württemberg und Niedersachsen. Sie fand zweimal in Hannover und einmal in Stuttgart statt.

Morgenpost Online : Wer hatte die Idee dazu?

Oettinger : Christian Wulff und ich haben die Idee gemeinsam aufgegriffen.

Morgenpost Online : Warum wurde die Reihe nach der dritten Veranstaltung beendet?

Oettinger : Das weiß ich nicht. Ich war danach nicht mehr Ministerpräsident.

Morgenpost Online : Hat Baden-Württemberg mit anderen Bundesländern auf ähnliche Weise zusammengearbeitet?

Oettinger : Das war die einzige Kooperation in dieser Form.

Morgenpost Online : Wie wurde die Veranstaltungsreihe finanziert?

Oettinger : Der Veranstalter war Herr Schmidt mit seiner Unternehmung. Im Regelfall werden es Sponsorenbeiträge gewesen sein. Ich habe mich bei dem Thema bewusst als Schirmherr verstanden. Ich war da, habe den Ablauf aber nicht im Detail zu beherrschen versucht. Ich habe ein bisschen mitgewirkt bei der Auswahl der Location in Baden-Württemberg: des Cannstatter Römerkastells.

Und – Stichwort Präsenzsicherung – ich habe dafür gesorgt, dass unsere Regierung auch hingegangen ist.

Morgenpost Online : Wie sind Sie auf den Eventmanager Manfred Schmidt gekommen?

Oettinger : Schmidt ist ja eine bekannte deutsche Größe. Ich sage mal ein Beispiel: Am Abend der Bundestagswahl hat er eingeladen ins „Interconti“. Da war alles da.

Morgenpost Online : Welche Rolle hat Olaf Glaeseker gespielt, der langjährige Sprecher von Christian Wulff?

Oettinger : Ich will in ein laufendes Ermittlungsverfahren nicht eingreifen.

Morgenpost Online : Haben sich Mitarbeiter der baden-württembergischen Landesregierung an der Sponsorenwerbung beteiligt?

Oettinger : Diese Frage müssten Sie an das Staatsministerium in Baden-Württemberg richten. Die Beamten sind dort dieselben geblieben.

Morgenpost Online : Glaeseker soll mehrfach Gratisurlaub bei Schmidt gemacht haben. Gab es das auch auf baden-württembergischer Seite?

Oettinger : Nicht dass ich wüsste.

Morgenpost Online : Wie haben Sie die Nachricht von der Razzia bei Glaeseker und Schmidt aufgenommen?

Oettinger : Die Durchsuchung ist ein ganz normales Mittel des Ermittlungsverfahrens. Wir haben allen Grund, der Objektivität der Staatsanwaltschaft zu vertrauen und die Sache gelassen zu betrachten. Es gilt der Grundsatz: In dubio pro reo.

Morgenpost Online : Wie beurteilen Sie den Umgang von Christian Wulff mit seiner Causa ?

Oettinger : Er hat selbst Fehler eingeräumt. Mehrfach.

Morgenpost Online : Ist es eigentlich normal für einen Ministerpräsidenten, sich sponsern zu lassen?

Oettinger : Also, normal ist, dass man Wein- und Buchgeschenke bekommt. Das kann man schon sagen.

Morgenpost Online : Würden Sie ein Haus mit einem Privatkredit finanzieren?

Oettinger : Ich habe es bisher nicht gemacht.

Morgenpost Online : Was wissen Sie über das Zustandekommen des Anschlusskredits von Wulff bei der BW Bank in Ihrem Bundesland?

Oettinger : Alles, was ich weiß, habe ich vor wenigen Wochen aus der Zeitung erfahren.

Morgenpost Online : Handelte es sich um übliche Konditionen?

Oettinger : Dazu kann ich nichts sagen.

Morgenpost Online : Ist es gut, wenn Wulff im Amt bleibt?

Oettinger : Die relevanten Fragen sind beantwortet. Er kann seine Autorität als Staatsoberhaupt zurückgewinnen.

Morgenpost Online : Sehen Sie eine Belastung für das höchste Staatsamt?

Oettinger : Man wirft Christian Wulff gar nichts vor. Man wirft seinem Sprecher, der gegangen ist, in der Ausübung seines früheren Amtes etwas vor. Das ist alles.