Interview mit ARD und ZDF

Christian Wulff - "Ich habe nichts Unrechtes getan"

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Foto: dpa / dpa/DPA

Christian Wulff trotzt dem massiven Druck und lehnt einen Rücktritt rigoros ab. Der Bundespräsident räumte in einem Interview mit ARD und ZDF aber ein, der Drohanruf bei "Bild"-Chefredakteur Kai Diekmann sei "ein schwerer Fehler" gewesen.

Bundespräsident Christian Wulff tritt nicht zurück. Dies stellte er in einem Fernsehinterview klar, das Mittwochabend von ARD und ZDF gleichzeitig ausgestrahlt wurde. Er habe nie an einen Rücktritt gedacht, sondern immer „große Unterstützung“ von Bürgern und Freunden gespürt. Deshalb sei er entschlossen, im Amt zu bleiben: „Ich möchte nach fünf Jahren eine Bilanz vorlegen, dass ich ein guter Bundespräsident war“, sagte er im Gespräch mit den Leitern der Hauptstadtstudios von ARD und ZDF, Ulrich Deppendorf und Bettina Schausten. Wulff räumte ein, der Drohanruf bei „Bild“-Chefredakteur Kai Diekmann sei „ein schwerer Fehler“ gewesen, der ihm leidtue, für den er sich dann auch entschuldigt habe.

>>> Liveblog: Das Interview mit Christian Wulff im Fernsehen

Mit dem Interview gab Wulff dem Drängen nach, sich noch einmal öffentlich in eigener Sache zu erklären. Führende Politiker der schwarz-gelben Koalition und auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatten Wulff vorher indirekt aufgefordert, noch einmal zu seinen Affären Stellung zu nehmen. Der Präsident begründete seinen Fernsehauftritt so: „Ich weiß, dass ich nichts Unrechtes getan habe, aber auch nicht alles richtig gemacht habe.“

Wulff steht seit Mitte Dezember wegen zweifelhafter Privatkredite, einer Irreführung des Niedersächsischen Landtages und der Öffentlichkeit in anhaltender, schwerer Kritik. In dieser Woche erreichte die öffentliche Empörung einen Höhepunkt, nachdem bekannt geworden war, dass Wulff versucht hatte, Presseberichte über seine Kredite zu unterdrücken. Er hatte den Chefredakteur der „Bild“ angerufen und auch beim Vorstandsvorsitzenden der Axel Springer AG interveniert. Bei Axel Springer erscheint auch die Berliner Morgenpost.

Seinen Anruf bezeichnete Wulff nun als Fehler, der ihm leidtue. „Ich halte es mit meinem eigenen Amtsverständnis für nicht vereinbar.“ Allerdings wehrte er sich gegen den Vorwurf, ein zwiespältiges Verhältnis zur Pressefreiheit zu haben: „Ich habe nicht versucht, die Berichterstattung zu verhindern.“ Er habe vielmehr lediglich um Verschiebung der Berichterstattung gebeten. Der Anruf sei aus einem Impuls geschehen: „Man muss sich vor seine Familie stellen, wenn private Dinge nach außen gekehrt werden.“ Seine Kredite verteidigte Wulff weiter. Union und FDP zeigten sich nach dem Interview erleichtert. „Ich bin sicher, dass Christian Wulff damit erfolgreich Vertrauen in der Bevölkerung zurückgewinnen wird“, meinte CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe.

CSU-Chef Horst Seehofer sagte am Rande einer Klausur der Berliner CSU-Landesgruppe im oberbayerischen Wildbad Kreuth, seine Partei respektiere „natürlich“ Wulffs Vorgehen. Der designierte FDP-Generalsekretär Patrick Döring nannte das Interview einen „wichtigen Schritt“. „Es ist gut, dass Christian Wulff zu den gegen ihn erhobenen Vorwürfen heute öffentlich Stellung genommen und Fehler eingeräumt hat“, sagte Döring. Er sehe keinen Grund, weiter Wulffs Amtsführung infrage zu stellen. „Die öffentliche Debatte muss nach den eindeutigen Worten jetzt beendet werden“, forderte Döring.

Die Opposition dagegen äußerte sofort Kritik. „Es bleiben Fragen offen, die aufgeklärt werden müssen“, sagte der stellvertretende SPD-Fraktionschef Hubertus Heil am Mittwochabend. „Dass sich Christian Wulff heute den Fragen von zwei Journalisten gestellt hat, war überfällig, ist aber nicht ausreichend.“ Offen sei etwa, welches Amtsverständnis ein Bundespräsident habe, der kritische Berichterstattung zu unterbinden versuche. Heil sagte: „Das war kein Befreiungsschlag und wird die Debatte nicht beenden.“ Grünen-Geschäftsführerin Steffi Lemke erklärte: „Dieser Auftritt zeigt, dass Herr Wulff die Vorwürfe an ihn im Kern offensichtlich nicht verstanden hat. Ich hätte mehr Rückgrat erwartet und verstehe nicht, dass er sich in dieser Situation als Opfer widriger Umstände darzustellen versucht.“ Ihre Partei erwarte eine Stellungnahme der Bundeskanzlerin. Diese könne „mit dieser Erklärung nicht zufrieden sein.“

>>> Dokumentation: Das Interview mit Christian Wulff in ARD und ZDF

Vor Ausstrahlung des Interviews kam auch Kritik aus den Medien. Die Privatsender bemängelten, dass Wulff sich ausschließlich bei ARD und ZDF äußerte. „Seine Entscheidung, dieses wichtige Interview alleinig zwei öffentlich-rechtlichen Sendern zu geben, stellt eine enorme Benachteiligung für uns dar“, erklärte n-tv-Chefredakteur Volker Wasmuth. Die Sender RTL, n-tv und ProSiebenSat.1 beschwerten sich mit einer Protestnote beim Bundespräsidialamt. Der Deutsche Journalisten-Verband forderte, der Präsident solle sich den Fragen aller Journalisten der Hauptstadtmedien stellen.

( BMO )

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