Mailbox-Affäre

Bild-Chef will Wulffs Anruf veröffentlichen

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Die Zeitung "Bild" will den umstrittenen Mailbox-Anruf von Christian Wulff veröffentlichen. Chefredakteur Kai Diekmann hat in einem offenen Brief um die Zustimmung des Bundespräsidenten gebeten. Eine Antwort steht noch aus.

"Bild“-Chefredakteur Kai Diekmann hat Bundespräsident Christian Wulff aufgerufen, einer Veröffentlichung des Wortlauts seines Sprachmailbox-Anrufes zuzustimmen .

Zugleich reagierte Diekmann am Donnerstag in einem öffentlichen Brief „mit Verwunderung“ auf Wulffs Aussagen im Fernsehinterview vom Mittwochabend. Dort hatte der Bundespräsident gesagt, es sei bei dem Anruf nicht darum gegangen, die Berichterstattung zu seinem umstrittenen Hauskredit zu verhindern, sondern nur um einen Tag zu verschieben.

Um Missverständnisse auszuräumen, halte die „Bild“-Zeitung es für notwendig, den Wortlaut der Nachricht zu veröffentlichen, schreibt Diekmann. Sie wolle dies aber nicht ohne Wulffs Zustimmung tun und bitte daher „im Sinne der von Ihnen angesprochenen Transparenz“ um das Einverständnis.

Diekmann erläuterte, die „Bild“-Zeitung habe der Frage eines Aufschubs schon einmal entsprochen. Am 11. Dezember habe die Zeitung Wulff einen Fragenkatalog zum umstrittenen Kredit übermittelt. Das Bundespräsidialamt habe die Antworten in Absprache mit der Zeitung einen Tag später übermittelt, aber die Antworten kurz vor Redaktionsschluss „zu unserer Überraschung“ zurückgezogen.

Den entsprechenden E-Mail-Verkehr mit dem damaligen Wulff-Sprecher Olaf Glaeseker fügte Diekmann dem Brief bei.

Wulff hatte im gemeinsamen Fernsehinterview von ARD und ZDF gesagt, der Anruf bei „Bild“-Chefredakteur Diekmann tue ihm leid, das sei ein „schwerer Fehler“ gewesen. Er habe aber die Berichterstattung nicht verhindern wollen, sondern nur darum gebeten, sie um einen Tag zu verschieben, „damit man darüber reden kann, damit sie sachgemäß ausfallen kann“.

Wulff befand sich auf einer Auslandsreise in der Golfregion, als die „Bild“-Zeitung am 13. Dezember erstmals über seinen umstrittenen Privatkredit berichtet hatte. Wulff hatte 2008 als niedersächsischer Ministerpräsident von dem befreundeten Unternehmerpaar Egon und Edith Geerkens einen Kredit von 500.000 Euro erhalten.

Am Tag nach dem Interview von Bundespräsident Wulff hatten dessen Anwälte eine sechsseitige Erklärung zu den Medienanfragen in der Kreditaffäre ins Netz gestellt. Die Kanzlei Redeker Sellner Dahs veröffentlichte dazu am Donnerstag eine „rechtliche Bewertung“, wonach kein Verstoß gegen das niedersächsische Ministergesetz vorliege. Das pdf-Dokument findet sich hier .

( epd/Reuters/mim )

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