Guttenberg

"Wunden, die so schnell nicht verheilen werden"

Karl-Theodor zu Guttenberg hat offenbar öfter mal abgeschrieben. Die Rede ist von Vorsatz. Innenminister Friedrich sieht ein eventuelles Comeback seines CSU-Parteifreunds kritisch.

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Es sind pikante Details, welche die Plagiatsjäger der Internet-Plattform GuttenPlag bei der Analyse eines Aufsatzes von Ex-Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg entdeckt haben.

Zu Beginn des Papiers über die Beziehungen zwischen der Europäischen Union und der Türkei, das 2004 in einer Reihe der CSU-nahen Hanns-Seidel-Stiftung veröffentlicht wurde, schreibt der CSU-Politiker: „Jede Erweiterung der Europäischen Union ist eine besondere Herausforderung.“

Die „Aufnahme eines kleinen Partners für die Strukturen der Europäischen Union“ sei „leichter zu bewältigen als die Aufnahme eines großen neuen Mitgliedsstaates“.

Das Problem des Absatzes, aus dem diese Zitate stammen: Er ist nahezu wortgleich mit einem Abschnitt eines Aufsatzes eines anderen CSU-Politikers: Michael Glos, Ex-Wirtschaftsminister, hatte 2003 – ebenfalls bei der Hanns-Seidel-Stiftung – einen Text über die Zukunft der EU veröffentlicht.

Für Guttenberg resultiert aus der neuesten Analyse von GuttenPlag aber ein ganzes anderes Problem: Die Plagiatsjäger konfrontieren den CSU-Politiker mit Plagiatsvorwürfen, die über die mittlerweile aberkannte Doktorarbeit hinausgehen.

Guttenberg war vor neun Monaten wegen der Plagiatsaffäre um seine Doktorarbeit von allen politischen Ämtern zurückgetreten. Es hatte sich herausgestellt, dass er viele Passagen von anderen Autoren übernommen hatte, ohne dies kenntlich zu machen. Die betroffene Universität Bayreuth sprach von Vorsatz und erkannte ihm den Doktortitel ab.

Am Wochenende hatte die „Morgenpost Online“ erstmals von den neuen Vorwürfen berichtet. Mitstreiter von GuttenPlag werfen Guttenberg demnach vor, beim Verfassen des Aufsatzes 2004 ähnlich fehlerhaft wie bei seiner Dissertation 2006 gearbeitet zu haben.

Auf bisher 13 von 23 Seiten des Essays hätten die Plagiatsjäger Passagen aus Zeitungsartikeln, EU-Papieren und Bundestagsdokumenten gefunden. Die GuttenPlag-Mitarbeiter kritisieren, in kleiner Form spiegele sich in dem Aufsatz das „Bauprinzip der Doktorarbeit“ wider. Sie halten deshalb die Erklärung Guttenbergs, er habe bei seiner Dissertation schlicht den Überblick verloren, für gelogen.

Guttenberg selbst weist diese Vorwürfe teilweise zurück. Er bestätigte zwar, dass für den Text fremde Quellen genutzt worden seien – es habe sich aber nicht um eine wissenschaftliche Leistung, sondern um ein außenpolitisches Papier gehandelt, sagte Guttenberg der „Morgenpost Online“.

"Mit Vorsatz gehandelt"

„Und selbstverständlich wurden hierbei bestehende, fremde Quellen genutzt, da ja lediglich die politische Meinung unterfüttert werden sollte.“ Guttenberg erklärte weiter, der Text sei unter Hilfe seiner Mitarbeiter im Bundestagsbüro entstanden und ursprünglich als Argumentationspapier für die CSU-Landesgruppe entworfen worden.

Während die Universität von Vorsatz ausgeht und die Internet-Aktivisten zumindest die bisherigen Erklärungen Guttenbergs zur Entstehung seiner Doktorarbeit für „gelogen“ halten, gab es am Sonntag Meldungen, die Staatsanwaltschaft Hof sei zu einem anderen Ergebnis gekommen: Bei ihren Ermittlungen gegen Guttenberg ist die Behörde laut „Spiegel“ nicht von absichtlicher Urheberrechtsverletzung ausgegangen. In der Begründung heiße es, Guttenbergs Erklärung, er habe schlicht den Überblick verloren, sei „nachvollziehbar und jedenfalls nicht zu widerlegen“.

Für Rüdiger Bormann, Präsident der Universität Bayreuth, ist jedoch klar, dass Staatsanwaltschaft und Universität im Grunde übereinstimmen in ihrer Bilanz.

„Beide Kommissionen kamen zu dem Schluss, dass mit Vorsatz gehandelt wurde“, sagte Bohrmann „Morgenpost Online“. Die Staatsanwaltschaft habe dabei unter urheberrechtlichem Aspekt ermittelt, die Universität hielt sich an das Wissenschaftsrecht. Das Verfahren gegen den Ex-Bundesminister hatte die Staatsanwaltschaft Hof Ende November gegen eine Zahlung von 20.000 Euro eingestellt.

Nach Ansicht von Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) ist ein Comeback des einstmaligen Hoffnungsträgers nach seinem Gesprächsband mit dem „Zeit“-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo schwieriger geworden. „Ich fürchte, dass Karl-Theodor mit seinem Interviewbuch Wunden geschlagen hat, die so schnell nicht verheilen werden“, sagte der Minister dem „Spiegel“.

Friedrich ist auch Bezirksvorsitzender der CSU in Guttenbergs Heimat Oberfranken. In dem Buch hatte Guttenberg den Christsozialen unter anderem den Rang als Volkspartei abgesprochen.

Guttenbergs Amtsnachfolger, Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU), riet zur Besonnenheit. „Wir sollten Karl-Theodor zu Guttenberg und seine momentanen Aktivitäten nicht so wichtig nehmen“, sagte er der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“. Dies gelte „für alle: für ihn selbst, für die Politiker, aber auch für die Medien“.