Der Winter 2010 war einer der kältesten Winter, Eis und Schnee verwandelten Straßen in gefährliche Schlitterpisten, und das Streusalz wurde knapp. Solche Engpässe will Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer diesmal vermeiden. Deshalb kündigt der CSU-Politiker vor der Verkehrsministerkonferenz am 5. und 6. Oktober in Köln eine „Notreserve für Streusalz“ an: Sie umfasst 100.000 Tonnen, wird vor der Wintersaison zusätzlich zu den normalen Vorräten der Länder eingelagert. Die Reserve steht nur für die Autobahnen zur Verfügung. Sie soll verwendet werden, wenn wegen unzureichender Streusalzlieferungen eine Notlage entsteht.

Wöchentliche Meldung über Bestand und Bedarf

Das Streusalz hat Nordrhein-Westfalen für sich und Sachsen-Anhalt bereits beschafft. Von den beiden zentral gelegenen Pilotländern aus soll das Salz an andere Länder verteilt werden. „Auf die Notreserve für Streusalz können alle Bundesländer zurückgreifen. Damit sorgen wir bei lang anhaltenden und extremen Winterverhältnissen für freie Fahrt“, sagte Ramsauer „Morgenpost Online“.

Er hat das Pilotprojekt auf fünf Jahre befristet. Der Minister will während der Wintermonate eine wöchentliche Meldung über den verfügbaren Bestand, abgeholte Salzmengen und eventuell nötige Umschichtungen.

Das Streusalz ist nicht kostenfrei. Der Bund zahlt für die erste Füllung in dafür angemieteten Großlagerhallen rund acht Millionen Euro. Ordern die Länder Salz, wird ihnen jede Tonne in Rechnung gestellt – ebenso wie Transportkosten und Betriebskosten für die Hallen. Mit den Erlösen will der Bund die Lager wieder neu auffüllen. Sollte sich dieses Konzept nicht als tragfähig erweisen, will der Bund den Pilotländern Kosten erstatten.

Großlager in Nordrhein-Westfalen und Sachsen-Anhalt

Von der ersten Tranche erhält Nordrhein-Westfalen 60.000 Tonnen, Sachsen-Anhalt 40.000 Tonnen. Als zentraler Standort in Nordrhein-Westfalen ist ein Ex-Munitionslager in der Gemeinde Saerbeck im Münsterland geplant, das nahe bei den Autobahnen A1 und A30 liegt.

Das zweite Großlager ist im Industriegebiet der Stadt Grevenbroich vorgesehen, am Ende der A540. Das dritte soll im sachsen-anhaltinischen Bülstringen nördlich der A2 angelegt werden, knapp 40 Kilometer entfernt von Magdeburg.

Nordrhein-Westfalen verfügt allein über 210 Hallen für Streusalz. Dennoch hält Bernhard Meier vom Landesbetrieb Straßenbau die nationale Streusalzreserve für sinnvoll. Für die 20.000 nordrhein-westfälischen Kilometer Autobahnen, Bundesfern- und Landstraßen waren im vorigen Jahr 135.000 Tonnen Streusalz eingelagert worden.

Allein NRW streut bis zu 10.000 Tonnen Salz am Tag

„Aufgrund des strengen Winters haben wir aber rund 250.000 verbraucht“, so Meier. In der Spitze habe man rund 10.000 Tonnen pro Tag benötigt: „Manchmal kam von den Lieferanten nicht mehr genug neues Streusalz.“ Tatsächlich musste sich das Landesverkehrsministerium auf dem Markt umsehen.

„Dabei wurde uns Streusalz angeboten, das um das Vierfache über dem Normalpreis zu Winterszeiten lag. Das haben wir nicht bestellt“, erzählt Ekhart Maatz, zuständiger Abteilungsleiter im Ministerium. Firmen aus der Ex-Sowjetunion verlangten bis zu 320 Euro pro Tonne – üblich sind 80 Euro. Maatz erinnert sich vor allem an den 23. Dezember: Damals telefonierte er überall herum, aber es gab bloß noch Haushaltsmengen.

Notreserve wäre nach zehn Tagen aufgebraucht

Der Chef des Verkehrsausschusses im Bundestag, Anton Hofreiter (Grüne), sagt: „Eigentlich kann man erwarten, dass die Bundesländer selbst genügend Streusalz für einen harten Winter vorhalten.“ Grundsätzlich begrüßt er aber Ramsauers Vorstoß.

„Das ist ein guter Anfang. Allerdings lässt sich schwer voraussagen, wie schwer der Winter dieses Mal wird und wie viel Streusalz man braucht“, meint Wiebke Thormann, Expertin für Straßenbau beim ADAC in München.

Fest steht: Im vergangenen Jahr wurden 1,3 Millionen Tonnen Streusalz auf Bundesfernstraßen eingesetzt. Sollte der Winter diesmal ähnlich ausfallen, reichen die 100.000 Tonnen Notreserve lediglich für etwa zehn Tage.