Studie der Bertelsmann-Stiftung

Berlin ist Schlusslicht beim "Schulischen Lernen"

Laut einer deutschlandweiten Studie der Bertelsmann-Stiftung sind die Lernbedingungen in Berlin unterdurchschnittlich. Lediglich in einer Kategorie kommt die Hauptstadt auf einen der vorderen Plätze im Deutschland-Vergleich - und das ist nicht die Schulbildung.

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Der „Deutsche Lernatlas 2011“ zeigt nach Angaben der Bertelsmann Stiftung die Bedingungen für lebenslanges Lernen in Deutschland auf. Er verdeutliche den Stellenwert des Lernens in den 412 deutschen Kreisen und kreisfreien Städten und illustriere, inwieweit eine Kommune über die Lernvoraussetzungen verfügt, um wirtschaftlich und sozial engagiert zu sein, hieß es. Der Deutsche Lernatlas erfasse auch Kennzahlen für berufliches, soziales und persönliches Lernen.

Für den Deutschen Lernatlas wurden den Angaben zufolge über 300 Kennzahlen aus unterschiedlichen Quellen überprüft. Nach einem in Kanada entwickelten mathematischen Verfahren wurden daraus Kennzahlen ausgewählt, die besonders aussagekräftig für die Lernbedingungen vor Ort und für nahezu alle Kommunen verfügbar sind, wie es hieß.

"Wo lebenslang gelernt wird, sind die Menschen glücklicher, das Zusammenleben ist sozial gerechter und die Gesellschaft wohlhabender. Der Deutsche Lernatlas zeigt uns, wo die Voraussetzungen für lebenslanges Lernen am besten sind", erklärte Jörg Dräger, Vorstandsmitglied für den Bereich Bildung in der Bertelsmann Stiftung. "Er verdeutlicht, dass Lernen mehr ist als Schule."

Das Lernen wurde innerhalb der Bildungsstudie in vier Kategorien unterteilt – in schulisches, berufliches, soziales und persönliches Leben.

Berlin bietet ein schlechtes Lernumfeld, aber kulturelle Vielfalt

Unter den größten Städten Deutschlands bietet laut der Studie München die besten Lernbedingungen. Es ist darüber hinaus jedoch festzustellen, dass ein gutes Lernumfeld nicht zwingend von der ökonomischen Lage einer Region abhängen.

So haben Städte wie Dresden, Jena überraschend gut abgeschnitten. Trotz ungünstigerer wirtschaftlicher Rahmenbedingungen gehörten diese Städte zu den überdurchschnittlichen Lernregionen.

Anders verhält es sich hingegen mit Deutschlands Hauptstadt. Die Lernbedingungen in Berlin liegen im Vergleich mit den übrigen Großstädten unter dem Durchschnitt. Unter den insgesamt 13 Städten mit mehr als 500.000 Einwohnern belegt Berlin beim „Schulischen Lernen“ nur den zehnten Platz und rangiert damit Hamburg und Bremen und der den letzen Plätzen. Auch beim „Beruflichen Lernen“ liegt Berlin hinter allen anderen Großstädten.

Besser schneidet die Hauptstadt in der Kategorie „Persönlichen Lernen“ ab: Diese "Lerndimension" gibt Hinweise darauf, welche Möglichkeiten Menschen in einer Region zur persönlichen Entwicklung und Entfaltung vorfinden und nutzen. In die Bewertung fließt ein, was es, zum Beispiel, an Vereinen gibt, welche Museen, Theater und andere Kultureinrichtungen sich im jeweiligen UMfeld befinden und wie gut die Internet-Anbindung ist. Da ist Berlin, wenig verwunderlich, top - wie aussagekröäftig das wiederum für das tatsächliche Bildungsniveau in der Stadt ist, ist wiederum eine andere Frage.

Laut der Bertelsmann-Studie jedenfalls steht Berlin in den Bereichen, die insbesondere durch staatlich getragene Bildung im herkömmlichen Verständnis geprägt sind, eher hinten. Gelegenheiten sich privat in Kultureinrichtungen verschiedenster Form zu bilden, sind hingegen überdurchschnittlich gut.

Gefälle innerhalb Deutschlands

Insgesamt stellt die neue Bildungsstudie ein großes Gefälle innerhalb Deutschlands fest. Der Süden schneidet so durchweg deutlich besser ab als der Norden. Die schlechtesten Landkreise und kreisfreien Städte in Baden-Württemberg und Bayern seien immer noch besser als die besten Regionen in Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern.

Mehr unter www.deutscher-lernatlas.de