Linken-Chefin Gesine Lötzsch will trotz der Kritik an ihrer Amtsführung im kommenden Jahr erneut für den Parteivorsitz kandidieren. „Ich trete beim nächsten Bundesparteitag als Parteivorsitzende wieder an“, sagte Lötzsch am Dienstag dem ARD-Hauptstadtstudio in Berlin. „Damit will ich das Katz- und Mausspiel beenden.“

Sie wolle mit ihrer Entscheidung Klarheit für die Mitglieder schaffen, „die dieser Debatte überdrüssig sind“, sagte Lötzsch weiter. „Über Parteivorsitzende soll in Zukunft nicht mehr in Hinterzimmern entschieden werden, sondern auf der offenen Bühne des Parteitags. Das ist demokratisch und transparent."

Der Ko-Vorsitzende von Lötzsch, Klaus Ernst, hat bislang offen gelassen, ob er für eine zweite Amtszeit antritt. Die Neuwahl des Parteivorstandes steht auf dem kommenden Parteitag im Juni 2012 an.

Lötzsch und Ernst werden in der Linken entscheidend mitverantwortlich für das schlechte Erscheinungsbild der Partei gemacht. So geriet die Partei etwa wegen der von Lötzsch ausgelösten Kommunismusdebatte in Bedrängnis, aber auch wegen des umstrittenen Glückwunschtelegramms an den kubanischen Revolutionsführer Fidel Castro.

Bei den vergangenen Landtagswahlen musste die Linke Stimmverluste hinnehmen, in Berlin büßte sie die Regierungsbeteiligung ein.

Die Bundestagsfraktion der Linken entscheidet am Dienstag, ob sie künftig wieder von einer Doppelspitze geführt wird. Seit dem Rückzug des Ex-Partei- und Fraktionschef Oskar Lafontaine ist Gregor Gysi der alleinige Vorsitzende, nach dem Willen mancher Abgeordneter soll sich das aber nun ändern.

Entscheidet sich die Fraktion für die Doppelspitze, wird voraussichtlich Parteivize Sahra Wagenknecht vom linken Parteiflügel neben Gysi kandidieren. Die Wahl des neuen Fraktionsvorstandes steht aber erst in zwei Wochen an.

AFP/jm