Horst Seehofer

Die CSU-Frauen-Union feiert ihren "Frauenversteher"

Ministerpräsident Seehofer hat die Frauenquote von 40 Prozent auf Bezirks- und Landesebene eingeführt und wird dafür gefeiert. Mit den Damen "kann er halt gut".

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"Es gibt Stunden im Leben eines Parteivorsitzenden, die besonders schön sind", sagt ein charmant lächelnder CSU-Ministerpräsident Horst Seehofer, nachdem er von stehenden Ovationen und warmen Worten ans Rednerpult der Lindauer Inselhalle getragen worden ist.

350 Delegierte der CSU-Frauen-Union sind stolz "auf unseren Horst", wie die Vorsitzende des Landesverbandes, Angelika Niebler, sagt. Dass Seehofer die folgenden 70 Redeminuten genießt, glauben ihm die Delegierten gern. Ein "Frauenversteher" sei er eben, jemand, der mit den "Damen halt gut kann", sagen gestandene Unions-Frauen.

Mehr Weiblichkeit in der CSU

Dass Seehofers Engagement für mehr Weiblichkeit in der CSU echt ist, belegt die Frauen-Union mit der Einführung einer Frauenquote von 40 Prozent auf Bezirks- und Landesebene. "Aber auch darunter hat sich viel getan", sagt Seehofer und mahnt die Ortsverbände, den Frauen mehr Raum und Einfluss zu geben.

Die Versäumnisse auf diesem Gebiet hätten bei den bayerischen Landtagswahlen dazu geführt, dass die CSU ihre absolute Mehrheit habe einbüßen müssen. Umso stärker bemühe sich Seehofer jetzt um die wichtige weibliche Klientel – und erfährt in Lindau viel Zuneigung dafür.

Seehofer verteidigt dreigliedriges Schulsystem

In seiner Rede streift Seehofer die Themen Euro-Rettung, Energiepolitik oder Pkw-Maut-Forderung eher am Rande und stellt die Bildungspolitik in den Mittelpunkt. "Wir führen nicht die lauteste Bildungsdiskussion, sondern wir haben die beste Bildungssituation", ruft er und erntet viel Applaus, als er das dreigliedrige Schulsystem in Bayern verteidigt, während die CDU die Hauptschule abschaffen will

"Ich will keine Einheitsschulen, in denen die Schwächeren überfordert und die Guten unterfordert werden. Ich sage: Schluss mit den ewigen Reformen im Bildungswesen!"

Seehofer beschwört das Bild von sparsam und klug wirtschaftenden Familien, denen zumeist Frauen vorstünden, und bricht damit die große Wirtschaftspolitik in Zeiten der Euro-Krise herunter auf Bayern. "Wir haben nicht Jahrzehnte lang über unsere Verhältnisse gelebt", sagt er und erinnert an den nunmehr siebten bayerischen Haushalt ohne Neuverschuldung. "Ein so erfolgreiches Land wie Bayern ist daher zur Solidarität verpflichtet", sagt Seehofer.

Bayern soll nicht Wowereits Partys bezahlen müssen

Dafür müssten aber auch sichtbare Anstrengungen vonseiten der Unterstützten kommen. Das gelte im Hinblick auf Griechenland ebenso wie im Falle vieler Bundesländer in Deutschland, die vom Länderfinanzausgleich, den Bayern zur Hälfte alleine finanziere, profitierten.

Dabei schießt Seehofer genüsslich eine Spitze in Richtung Berlins Regierendem Bürgermeister: "Herr Wowereit, wir wollen nicht ihre Partys bezahlen, sondern erreichen, dass sie unsere Hilfe irgendwann nicht mehr brauchen."

Auf die CSU-Frauen kann Seehofer setzen, das wird auch am Ende seiner Rede deutlich. So darf der Ministerpräsident das Podium verlassen, wie er gekommen ist, getragen von stehenden Ovationen und den Worten der Frauen-Unions-Chefin Angelika Niebler, die dem Parteichef versichert: "Horst, wir stehen treu an Deiner Seite!"