Auf den ersten Blick wirkt das Ergebnis des Stresstestes für Stuttgart 21 eindeutig: Der Bahnhof hat bestanden, die Bauarbeiten können weitergehen. Auf den zweiten Blick aber birgt der Bericht offenbar mehr Interpretationsspielraum als gedacht. So sieht es zumindest Tübingens Oberbürgermeisters Boris Palmer (Grüne). Für ihn hat Stuttgart 21 den Stresstest nicht bestanden.
„Wenn man die 200 Seiten genau liest, dann steht da drin: Stuttgart 21 ist durchgefallen“, sagte Palmer im Deutschlandradio Kultur. Beim Testat der Schweizer Firma sma sei nur die Note 2 herausgekommen, nicht die von der Schlichtung geforderte Note 1.
Anforderungen seien nicht erfüllt, Palmer fordert zweiten Test
Dies bedeute, dass der geplante Tiefbahnhof die vereinbarten Anforderungen nicht erfülle: „Er neigt zur Unpünktlichkeit; Verspätungen können nicht aufgefangen werden. Und damit ist das Ziel verfehlt; die Bahn muss nachbessern“, sagte Palmer. Er bestehe auf einem zweiten Stresstest mit neuen Kriterien. Die Bahn rechne sich die Kosten und die Leistungsfähigkeit von Stuttgart 21 schön, die Kosten würden eine bis zwei Milliarden höher ausfallen als öffentlich bekanntgegeben.
Am Donnerstag war das Gutachten des Verkehrsberaterbüros sma bekanntgegeben worden. Demnach hat der geplante Durchgangsbahnhof in Stuttgart eine „wirtschaftlich optimale Betriebsqualität“. Die vom Schlichter Heiner Geißler „geforderten anerkannten Standards des Eisenbahnwesens sind eingehalten“, heißt es in dem Testat.
Ramsauer: Projektgegner sollen keine schlechten Verlierer sein
Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer hingegen fordert ein Ende des Widerstands gegen das Milliardenprojekt. Das Ergebnis des Testes beudete: „Damit ist jetzt grünes Licht gegeben.“ Die Gegner müssten die Ergebnisse des Stresstests akzeptieren. „Ich bitte die Projektgegner, jetzt nicht den schlechten Verlierer zu geben.“ Ramsauer warnte den grünen baden-württembergischen Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann vor einer Blockade: Wer vertragsbrüchig werde, müsse gegebenenfalls Schadenersatz zahlen.
dpa/fls



