Wahl Kramp-Karrenbauers

"Frauen müssen immer mit Schlimmstem rechnen"

Die SPD-Politikerin Heide Simonis überrascht nicht, dass Kramp-Karrenbauer erst im zweiten Versuch zu Saarlands Landeschefin gewählt wurde. Grund: Frauen hätten es schwer.

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Die frühere Kieler Regierungschefin Heide Simonis (SPD) hat die Abstimmungsschlappe für die neue Saar-Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) bedauert. „Frauen müssen immer mit dem Schlimmsten rechnen“, sagte Simonis in Kiel.

„Es ist einfach nicht fair.“ Zwar bekämen auch Männer gelegentlich nicht alle Stimmen aus ihrem Lager. „Aber auffällig ist, dass sie es immer wieder bei Frauen versuchen.“

Simonis, die als erste Frau einem Bundesland als Regierungschefin vorstand, war 2005 in Schleswig-Holstein nicht wiedergewählt worden, weil ihr jemand aus den eigenen Reihen in vier Wahlgängen die Stimme verweigerte. Bis heute ist ungeklärt, welcher Politiker aus den eigenen Reihen der Ministerpräsidentin die Gefolgschaft verweigerte.

Auch bei der ersten Wahl einer CDU-Ministerpräsidentin in Deutschland war es im Oktober 2009 zu erheblichen Problemen gekommen. Die designierte Nachfolgerin des thüringischen Ministerpräsidenten Dieter Althaus (CDU), Christine Lieberknecht, verpasste in zwei Wahlgängen die notwendige Mehrheit. Erst im dritten Durchgang wurde Lieberknecht gewählt.

„Ich denke, das muss ihre Arbeit nicht stören“, sagte Simonis zum Scheitern Kramp-Karrenbauers bei der ersten Abstimmung. „Aber es ist kein schöner Start.“ Zum Wahlverhalten des Abweichlers sagte Simonis: „Wer so etwas heimlich macht, der ist politisch dämlich, weil er keinen Mut hat, für seine Positionen offen zu kämpfen."

Die neue saarländische Ministerpräsidentin wurde in Saarbrücken erst im zweiten Wahlgang zur neuen Regierungschefin gewählt und erhielt mit 26 Stimmen eine weniger als die von ihr angeführte Jamaika-Koalition aus CDU, FDP und Grünen im Landtag hat.

„Als Mutter von drei Kindern weiß ich: Die schwersten Geburten bringen die schönsten Kinder auf die Welt“, sagte die 49-jährige Kramp-Karrenbauer nach der Wahl. Als ihre politischen Schwerpunkte nannte sie die Haushaltssanierung. Außerdem müsse auf die Bevölkerungsentwicklung mit immer mehr älteren und weniger jungen Menschen reagiert werden.