Bildungsreform

Im Saarland bleibt kein Schüler mehr sitzen

Förderung statt Ehrenrunde: An saarländischen Gymnasien sollen Schüler in den ersten beiden Jahren künftig auch mit schlechten Noten versetzt werden.

Foto: dpa / dpa/DPA

Mit Beginn des neuen Schuljahres im Saarland am 8. August startet an den Gymnasien des Landes der Modellversuch „Fördern statt Sitzenbleiben“. In den ersten beiden Jahren an der weiterführenden Schule werde keine Versetzungsentscheidung getroffen, sagte der saarländische Bildungsminister Klaus Kessler (Grüne).

Mit der Einrichtung der geplanten Gemeinschaftsschule im Saarland ab dem kommenden Jahr werde das Sitzenbleiben zum Auslaufmodell.

Der auf vier Jahre angelegte gymnasiale Schulversuch sieht demnach ein Förderangebot für Schüler vor, die Gefahr laufen, das Klassenziel nicht zu erreichen. Die Schulen erprobten ohne inhaltliche Vorgaben durch das Ministerium unterschiedliche Förderkonzepte, je nach Angebot und örtlichen Gegebenheiten.

Ziel sei eine neue Lehr- und Lernkultur an Gymnasien, sagte Minister Kessler. „Wir wollen möglichste viele Schüler auf dem gymnasialen Bildungsweg mitnehmen.“

An dem freiwilligen Schulversuch beteiligt sich ein Drittel der saarländischen Gymnasien. Dort liegt die Nichtversetzungsquote nach Ministeriumsangaben in den ersten beiden Jahren bei etwa zwei Prozent.

Neu ist ebenfalls ein Pilotprojekt zur Entwicklung eines inklusiven Förderunterrichts an Regelschulen auf freiwilliger Basis. Sieben Grundschulen, zwei Erweiterte Realschulen und zwei Gesamtschulen unterstützen Kinder mit einer Lern- oder Sprachbehinderung oder einer emotional-sozialen Behinderung durch fest zugeordnete Förderlehrer.

„Ich halte nichts davon, Schulen Inklusion zu verordnen“, sagte Kessler. Das Land bilde zusätzlich 25 Inklusionsberater aus. Die Maßnahmen gehörten zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention im Bereich Bildung.

Insgesamt gehen im Saarland die Schülerzahlen weiter zurück. Im kommenden Schuljahr werden es mit 3.250 Schülern zwei Prozent weniger als zuvor sein. Dennoch wurden gemäß dem Koalitionsvertrag der schwarz-gelb-grünen Landesregierung alle frei werdenden Lehrerstellen wiederbesetzt.

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