Neuer Polizeichef

Innensenator Körtings einsame Entscheidung

Gegen den Willen der Linken hat die SPD den Wunschkandidaten ihres Innensenators Ehrhart Körting durchgesetzt. Christina Brüning über Berlins umstrittenen neuen Polizeichef Udo Hansen und die Fehler beim Auswahlverfahren. Ein Kommentar.

Berlins zukünftiger Polizeipräsident ist ein Phantom. Es heißt Udo Hansen und soll das Amt von Dieter Glietsch übernehmen, der im Mai in den Ruhestand gegangen ist. So hat es der Senat hat am Dienstag entschieden. Es habe eine Abstimmung gegeben, das Votum sei für Hansen ausgefallen, hieß es. Er sei der qualifizierteste Berwerber für das Amt gewesen. Worin diese Qualifikationen bestehen, was Hansen besser macht als seine Konkurrenten, das wurde verschwiegen.

Was bleibt, ist Spekulation, sind Fragen. Auch jetzt noch, nachdem der Senat endlich offiziell den Namen des Glietsch-Nachfolgers genannt hat, der bereits seit Wochen unter der Hand bekannt war.

Warum hat sich Innensenator Ehrhart Körting (SPD) auf diesen Kandidaten versteift? Warum macht er einen Mann zum Chef der Riesenbehörde Berliner Polizei, der zuvor den Polizeidienst quittiert hat? Warum entscheidet er sich für einen Kandidaten, der als Hardliner gilt, seit er als Chef der Bundespolizei eine Flüchtlingsunterkunft mit Stacheldraht umzäunen ließ? Dass diese Vergangenheit in Berlin – und gerade auch beim linken Koalitionspartner – auf wenig Gegenliebe stoßen würde, dürfte Körting klar gewesen sein. Der Innensenator habe die Bedenken zur Personalie Hansen zur Kenntnis genommen, heißt es schmallippig bei der Linkspartei. Geändert habe dies an seiner Entscheidung jedoch nichts.

Körting hat es versäumt, für seine Entscheidung zu werben, sie nachvollziehbar zu machen. So ist es eine einsame Entscheidung geworden. Auch die Klage des abgelehnten Bewerbers Klaus Keese ist offenbar weniger ein Zeichen für dessen mangelnden Sportsgeist als Verlierer. Keese will laut seinem Anwalt vor allem die Entscheidungen im Bewerbungsverfahren nachvollziehen können. Und da ist er nicht der Einzige.

Udo Hansen also. Über seine Vergangenheit ist einiges bekannt – über seine Gegenwart weiß man wenig. Berlins künftiger Polizeichef ist 58 Jahre alt, er war mal bei der Eliteeinheit GSG9, er war mal Chef der Bundespolizei-Ost, er war mal als Berater für den europäischen Rüstungskonzern EADS in Saudi-Arabien. Und ihm hängen Gerüchte nach: Darüber, warum er aus dem Polizeidienst ausgeschieden sei. Warum er seinen Job in Saudi-Arabien aufgegeben habe. Offiziell weiß man darüber nichts. Die Gerüchte wurden nie dementiert, sie liegen wie ein Schatten über Hansen. Dieses Getuschel wird weitergehen, denn Transparenz zur Personalie Hansen gibt es nicht.

Körting verhagelt sich mit dem vermurksten Verfahren um die Glietsch-Nachfolge seine respektable Bilanz als Innensenator. Denn gerade in diesem Jahr konnte er positive Schlagzeilen machen: Die Kriminalitätsrate war gesunken, und beim 1.Mai war seine Strategie der Deeskalation wieder aufgegangen. Das Ringen um die Neubesetzung des Polizeipräsidentenamtes gibt dem Legislaturende nun einen bitteren Ausklang. Noch dazu ist das Amt durch die Rangeleien und die Spekulationen nun mit einer Hypothek beladen. Das Phantom Hansen wird keinen leichten Start haben. Es ist Berlin zu wünschen, dass er trotz allem eine faire Chance bekommt.