Kein Parteiausschluss

Die SPD streitet über ihr Parteimitglied Sarrazin

Thilo Sarrazin darf in der SPD bleiben - und seine Partei streitet nun über die Entscheidung. Erst kamen verärgerte Stimmen aus Schleswig-Holstein und dem Saarland, nun meldete der Juso-Vorsitzende sich zu Wort. Die Mehrheit der Wähler dürfte aber hinter der Entscheidung der Schiedskommission stehen.

Nach der Beendigung des Parteiaausschlussverfahren gegen Thilo Sarrazin - und dessen Verbleib in der Partei - wird in der SPD Kritik laut. Zunächst hatten sich noch am Donenrstagabend bereits der schleswig-holsteinische Landesvorsitzende Ralf Stegner und der saarländische Fraktionschef Ulrich Comercon via Twitter zu Wort gemeldet , wobei Commcercon sogar noch ein verbaler Ausrutscher passierte: In einem seiner ersten Tweets bezeichnete Commercon Sarrazin als "Vollarsch". Er entschuldigte sich umgehend für seine Wortwahl.

Der Vorsitzende der Jungsozialisten, Sascha Vogt, sagte am Freitag gegenüber Morgenpost Online:. „Ich kann mir diesen Schritt nicht erklären. Er schadet der Partei. Ressentiments und Rassismus haben in der SPD nichts zu suchen.“. Sarrazins Erklärung, die zu der gütlichen Einigung geführt hatte, sei „mehr als dürftig“. Vogt sagte weiter: „Herr Sarrazin hat ein ganzes Buch verfasst, er kann seine Thesen nicht so einfach zurückholen.“ Vogt kritisierte auch das Agieren der SPD-Spitze. Der gesamte SPD-Parteivorstand habe bei einer Enthaltung den Ausschluss Sarrazins beschlossen. „Es kann nicht sein, dass dieser Antrag ohne eine Beratung weder in Vorstand noch Präsidium zurückgenommen wird.“

Die Mehrheit der Bundesbürger und der Anhänger der SPD sprechen sich für einen Verbleib Thilo Sarrazins in der Sozialdemokratie aus. 60 Prozent der Bürger plädieren für einen Verbleib Sarrazins in der SPD, nur jeder Vierte (25 Prozent) spricht sich für einen Ausschluss aus.

Dies ergab eine exklusive, repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Infratest Dimap für Morgenpost Online. Unter den Anhängern der SPD sagen sogar 62 Prozent, der frühere Berliner Finanzsenator solle in der Partei bleiben.

31 Prozent der SPD-nahen Befragten plädieren für einen Parteiausschluss Sarrazins. Für die Ergebung wurden 1000 Bürger am 19./20. April telefonisch befragt. Das Ausschlussverfahren des wegen seiner Integrationsthesen umstrittenen Ex-Bundesbankers war am Donnerstag mit einer gütlichen Einigung beendet worden.

Auch die Anhänger von Union, Grünen und Linken begrüßen mehrheitlich den Verbleib Sarrazins in der SPD. Unter den Wählern der CDU/CSU sind es 74 Prozent. Die Anhänger der Linken sprechen sich zu zwei Dritteln (65 Prozent) für die Fortsetzung von Sarrazins Mitgliedschaft in der SPD aus.

Am kritischsten sehen die Grünen-Anhänger Sarrazins Verbleib in der SPD. 49 Prozent begrüßen dies, 36 Prozent befürworten einen Parteiausschluss.

Die Stegner-Commercon-Debatte bei Twitter finden Sie hier in einem Storify dokumentiert.