Offer-Nachfolger

Schäuble hat endlich einen Pressesprecher gefunden

Schäubles neuer Mann am Mikrofon kommt aus Brüssel. Vorgänger Offer kündigte, nachdem ihn der Finanzminister öffentlich vorgeführt hatte.

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Martin Kotthaus wird nach Informationen der „Süddeutschen Zeitung“ neuer Sprecher von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU). Der 48-Jährige tritt die Nachfolge von Michael Offer an, der Anfang November vergangenen Jahres von Schäuble öffentlich schwer gerüffelt worden und daraufhin von seinem Amt zurückgetreten war.

Am Donnerstag, dem 4. November, hatte Offer wegen zahlreicher Änderungswünsche des Ministers eine Pressemitteilung zur Steuerschätzung nicht rechtzeitig an die anwesenden Journalisten verteilen können.

Schäuble ätzte daraufhin gegen ihn: "Herr Offer, reden Sie nicht, sorgen Sie dafür, dass die Zahlen jetzt verteilt werden, und so lange verlasse ich jetzt noch einmal die Pressekonferenz."

Noch während er vom Podium herunterrollte, schimpfte der Minister weiter: "Ich hatte Ihnen die Wette angeboten, Sie werden sie nicht vor einer halben Stunde verteilt haben." Als er gut zehn Minuten später ohne Offer wiederkam, machte er ansatzlos weiter Front: "Wir warten noch, bis der Herr Offer da ist, er soll den Scherbenhaufen selbst genießen."

Die Szenen gingen durch die Republik. Allein im Internetportal YouTube wurden die Videoclips viele Hundertausend Mal angeschaut. Und in den abendlichen Nachrichtenmagazinen "Tagesthemen" und "Heute-Journal" sahen sich noch einmal über fünf Millionen Zuschauer die öffentliche Demütigung Offers an.

Das Thema sorgte deutschlandweit für Gesprächsstoff. Die Sympathien galten dabei überwiegend dem Sprecher und nicht dem Minister. Fünf Tage später reichte Offer seinen Rücktritt ein.

Schäuble akzeptierte: Er habe Offers Wunsch entsprochen, hieß es in einer nur sechs Zeilen langen Pressemitteilung mit dürren Worten: "Ich danke Herrn Dr. Michael Offer für seinen unermüdlichen Einsatz und für seine Loyalität."

Offers Nachfolger Kotthaus leitet derzeit die Pressestelle der deutschen Vertretung bei der Europäischen Union in Brüssel. Zuvor arbeitete er unter anderem an der deutschen Botschaft in Washington und für den Verlag Gruner+Jahr. Er gilt als ausgezeichnet verdrahtet und auch auf internationalem Parkett sehr erfahren.