Die Beteiligung an der Bundestagswahl ist in Berlin nach einer ersten Schätzung des Landeswahlleiters erneut gesunken und erreichte am Sonntag nur rund 70 Prozent. Damit lag sie gut sieben Prozentpunkte niedriger als bei der Bundestagswahl 2005, als der tiefste Stand seit 1990 erreicht worden war. Bundesweit deutete sich am Sonntag ein Rekordtief bei der Wahlbeteiligung ab. Die knapp 2000 Wahllokale in Berlin hatten um 18 geschlossen.
Um 16 Uhr hatte Landeswahlleiter Andreas Schmidt von Puskás eien Wahlbeteiliteigung von 56,1 Prozent gemeldet. Damit lag die Beteiligung zu diesem Zeitpunkt bereits um neun Prozentpunkte niedriger als bei der Bundestagswahl 2005 (65,1 Prozent). Begleitet von zahlreichen Fotografen hatten am Vormittag auch SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier und am Mittag Kanzlerin Angela Merkel (CDU) ihre Stimmen in Berliner Wahllokalen abgeben.
Von Puskàs zufolge gab es um 16 Uhr große Unterschiede zwischen den Bezirken. Die höchste Wahlbeteiligung meldete wieder der Wahlkreis Steglitz-Zehlendorf (62,9 Prozent), die niedrigste verzeichnete erneut Marzahn-Hellersdorf mit 51 Prozent. Prozent. Die knapp 2000 Wahllokale in der Hauptstadt hatten pünktlich um 8 Uhr geöffnet. Die Polizei sprach von einem ruhigen Verlauf des Urnengangs.
Steinmeier gab gegen 10 Uhr gemeinsam mit seiner Frau Elke Büdenbender im Wahllokal in der katholischen Schule St. Ursula in Zehlendorf seine Stimme ab. Gegen 13.30 Uhr kam auch Bundeskanzlerin Merkel bei strahlendem Sonnenschein zu Fuß zur Wahl in die Mensa in der Humboldt-Universität in Berlin-Mitte. Begleitet wurde sie von ihrem Ehemann Joachim Sauer.
Zu kurzzeitiger Verwirrung war es am frühen Morgen in einem Wahllokal in Charlottenburg-Wilmersdorf gekommen. Dort tauchten am frühen Morgen falsche Wahlzettel auf. Bei den falschen Stimmzetteln handelte es sich nach Angaben einer Sprecherin des Landeswahlleiters um Unterlagen eines anderen Wahlkreises mit anderen Kandidaten. Das Problem sei schnell bemerkt und behoben worden, fügte sie hinzu. Es handele es sich um höchstens zehn Fälle. Bei diesen sei die Erststimme nun ungültig, die Zweitstimme jedoch nicht.
Wahl könnte angefochten werden
Ein Wiederholung der Wahl des Wahlkreisabgeordneten sei aber nicht absehbar, sagte Geert Baasen, Geschäftsstellenleiter des Berliner Landeswahlleiters. „Für die Erststimmen für den Direktkandidaten ist es sehr unwahrscheinlich, dass am Ende eine Differenz von weniger als zehn Stimmen den Ausschlag gibt“, sagte Baasen. Sollte dies der Fall sein, könne die Wahl des Wahlkreisabgeordneten beim Bundestag allerdings angefochten werden.
Im Wahllokal 223 in Berlin-Kreuzberg an der Falckensteinstraße gab es am Morgen Verzögerungen. Eine anonyme Anruferin alarmierte die Polizei, da dort ein herrenloser Koffer in unmittelbarer Nähe des Wahllokales stand. Die Beamten fanden gegen 8.40 Uhr den Hartschalenkoffer auf dem Gehweg an einer Baumscheibe. Die Falckensteinstraße wurde gesperrt und das Wahllokal vorübergehend geschlossen. Eine Anwohnerin teilte den Polizisten mit, dass das Gepäckstück bereits seit Samstagabend dort stehen soll. Der Koffer wurde geöffnet, er war leer. Das Wahllokal war für etwa 20 Minuten geschlossen.
Zweieinhalb Millionen Wahlberechtigte
Mit Spannung wird in Berlin vor allem der Ergebnis des Wahlgangs in einigen Wahlkreisen erwartet. So müssen einige der sieben SPD- Direktkandidaten von 2005 um ihr Bundestagsmandat bangen. Kopf- an-Kopf-Rennen zwischen SPD und CDU werden für die 2005 an die SPD gefallenen Wahlkreise Reinickendorf, Neukölln und Tempelhof- Schöneberg vorausgesagt. Im Ost-West-Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg will der Grünen-Bundestagsabgeordnete Hans-Christian Ströbele zum dritten Mal in Folge das bisher bundesweit einzige Direktmandat gegen seinen SPD-Herausforderer Björn Böhning (31) erringen.
Insgesamt waren rund zweieinhalb Millionen wahlberechtigte Berliner aufgerufen, mit der Erststimme einen Direktkandidaten in den zwölf Berliner Wahlkreisen und mit der Zweitstimme eine Partei zu wählen. Unter den Berliner Wählern waren diesmal 144.000 Erstwähler und voraussichtlich rund 470.000 Briefwähler. Die Bürger konnten zwischen 16 Parteien und insgesamt 187 Kandidaten wählen. Aus den Bundestagswahlen 2005 war die Berliner SPD als große Gewinnerin hervorgegangen. Mit 34,3 Prozent lag sie weit vor der CDU mit 22,0 Prozent der Stimmen. Die damalige PDS kam 2005 auf 16,4 Prozent, die Grünen auf 13,7 Prozent und die FDP auf 8,2 Prozent der Stimmen. Die Wahlbeteiligung lag traditionell hoch bei 77,4 Prozent.
dpa/sei/sh















































