Bundestagswahl in Berlin

CDU nimmt SPD vier Berliner Direktmandate ab

In Berlin haben die Grünen eins, die Linken vier, die CDU fünf und die SPD nur zwei Direktmandate geholt. Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse verlor gegen den Kandidaten der Linken. Drei seiner Genossen mussten sich den CDU-Konkurrenten in ihrem Wahlkreis geschlagen geben.

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Reinickendorf

Frank Steffel hat es geschafft. Der ehemalige Spitzenkandidat und Fraktionschef der Berliner CDU sitzt im nächsten Bundestag. Er gewann direkt seinen Wahlkreis Reinickendorf mit 39 Prozent – am Ende mit Abstand zum direkten SPD-Konkurrenten. Der Abgeordnete Jörg Stroedter erreichte 27 Prozent, dabei hatte der Sozialdemokrat mehr als 100.000 Flyer verteilt.

Dass Steffel kein besseres Ergebnis erzielte, lag offenbar auch an der Konkurrenz im bürgerlichen Lager. Die FDP-Kandidatin Mieke Senftleben konnte 10 Prozent der Stimmen erobern. Auf 10 Prozent kam auch die Fraktionsvorsitzende der Grünen in der Bezirksverordneten-Versammlung, Anke Peters.

Neukölln

Das, was dem ehemaligen Regierenden Bürgermeister Eberhard Diepgen, vor fünf Jahren nicht gelang, schaffte nun Stefanie Vogelsang: Die ehemalige Stadträtin holte den Wahlkreis Neukölln direkt mit 30 Prozent für die CDU und verwies ihren Konkurrenten von der SPD, den stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden Fritz Felgentreu mit 27 Prozent auf den zweiten Platz. Vogelsang schadeten offenbar die parteiinternen Auseinandersetzungen innerhalb des CDU-Kreisverbandes nicht so stark, als dass die SPD gegen den Bundestrend den Wahlkreis hätte gewinnen können.

Charlottenburg-Wilmersdorf

Es ist wohl das politische Ende des ehemaligen CDU-Landesvorsitzenden: Ingo Schmitt, der lange Zeit die Geschicke der Berliner CDU lenkte und in der Krise der Union im vergangenen Jahr sein Amt aufgeben musste, konnte seinen Wahlkreis nicht direkt gewinnen und unterlag mit 30 Prozent zu 32 Prozent gegen die SPD-Bundestagsabgeordnete Petra Merkel.

Pankow

Völlig überraschend verlor Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse (SPD) seinen seit Jahren gehaltenen Wahlkreis Pankow. Dort setzte sich der ehemaligen Parteichef der Linken, Stefan Liebich, mit 29 zu 27 Prozent durch. Thierse ist aber über die Bundestagsliste abgesichert und zieht somit wieder ins höchste deutsche Parlament ein.

Marzahn-Hellersdorf

Der Bezirk im Ostteil der Stadt bleibt fest in der Hand der Linken-Bundestagsabgeordneten Petra Pau. Sie gewann deutlich mit 47 Prozent und hielt damit sämtliche Kandidaten anderer Parteien auf Distanz. Zum Vergleich: Die CDU, die in Marzahn-Hellersdorf ihre Spitzenkandidatin, die Bundestagsabgeordnete Monika Grütters ins Rennen geschickt hatte, kam bei den Erststimmen auf 19 Prozent. Weil die CDU fünf Wahlkreise direkt gewann, musste Grütters bis in den späten Abend zittern, ob der erste Listenplatz noch dem Einzug in den Bundestag ermöglicht.

Treptow-Köpenick

Es sollte das große Duell werden: Die Bundes-SPD hatte einen ihrer führenden Parteipolitiker in den Wahlkreis nach Treptow-Köpenick geschickt. Kajo Wasserhövel, Vertrauter von Parteichef Franz Müntefering und Organisationsleiter des SPD-Wahlkampfs in Deutschland, sollte einem anderen prominenten Politiker den Wahlkreis streitig machen. Doch Gregor Gysi, Fraktionsvorsitzender der Linkspartei im Bundestag, setzte sich klar in Treptow-Köpenick durch. 44 Prozent der Wähler votierten mit ihrer Erststimme für Gysi. Wasserhövel kam nur auf 18 Prozent und lag damit auch noch hinter dem CDU-Kandidaten Niels Korte.

Lichtenberg

Auch ihren dritten Wahlkreis im Ostteil der Stadt, den die Linkspartei verteidigen wollte, sicherte sie sich mit deutlichem Vorsprung. Die Bundestagsabgeordnete Gesine Lötzsch setzte sich mit 47 Prozent der abgegebenen Erststimmen durch.

Mitte

Es war knapp. Knapper, als es ihr eigentlich lieb war: Die SPD-Kandidatin Eva Högl gewann ihren Wahlkreis in Mitte direkt. Die Bundestagsabgeordnete, die auch die Berliner SPD-Frauen anführt und in der vergangenen Legislaturperiode für den ausgeschiedenen Ditmar Staffelt in den Bundestag nachgerückt war, kam auf 26 Prozent. Der unbekannte CDU-Kandidat Christian Burholt erreichte bei seiner ersten Kandidatur 22 Prozent.

Friedrichshain-Kreuzberg

Ganz anders dagegen die Lage in Friedrichshain-Kreuzberg. Hier konnte das Grünen-Urgestein Hans-Christian Ströbele seinen Vorsprung sogar noch ausbauen und den Wahlkreis erneut direkt gewinnen. Nahezu jede zweite Stimme (47 Prozent) konnte Ströbele auf sich vereinen. Ihm gelangen zwei Kunststücke: Vor acht Jahren holte er das erste und einzige Direktmandat für seine Partei. Jetzt hat er es zum dritten Mal in Folge erobert. Der ambitionierte Ex-Juso-Chef und Wowereit-Vertraute Björn Böhning fiel mit 16 Prozent sogar noch hinter die Kandidatin der Linken, Halina Wawzyniak, zurück, die auf 17 Prozent kam.

Tempelhof-Schöneberg

Es ist die Besonderheit dieses Wahlkreises: Während Tempelhof als Hochburg der CDU gilt, ist Schöneberg bei den Erststimmen völlig zersplittert. Bei der vergangenen Wahl holte die SPD-Kandidatin Mechthild Rawert noch das Direktmandat. An diesem Sonntag machte der CDU-Politiker Jan-Marco Luczak mit 32 Prozent das Rennen. Rawert kam nur noch auf 22 Prozent. Die Grünen-Spitzenkandidaten Renate Künast schlug dann auch Rawert mit 26 Prozent.

Spandau

Vor vier Jahren hatte er noch mit 46 Prozent das beste Erststimmenergebnis in ganz Berlin erreicht. Am gestrigen Abend gehörte der SPD-Bundestagsabgeordnete Swen Schulz zu den Verlierern. Zwar wird Schulz über die Liste der SPD in den Bundestag einziehen, aber seinen Wahlkreis verlor er mit 33 zu 36 Prozent an den CDU-Bundestagsabgeordneten Kai Wegner.

Steglitz-Zehlendorf

Mit einem blauen Auge kam der Steglitz-Zehlendorfer CDU-Bundestagsabgeordnete Karl-Georg Wellmann davon. Er verlor knapp zehn Prozentpunkte (38 Prozent), konnte den Wahlkreis aber gegenüber Klaus Uwe Benneter (SPD) verteidigen. Benneter zieht nicht mehr in den Bundestag ein.

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