Das Erste, was Tatjana Bogussewitsch beim Betreten des Wahlraums 9 in der Schöneberger Finow-Grundschule auffällt, ist der Wahlzettel an der Tür. Auf der Linken, der Erststimmenseite, ist die untere Hälfte des Zettels unbeschrieben, steht kein Name. „It looks strange“, wundert sich die 28-jährige Kasachin. Sie ist Wahlbeobachterin der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE). Wie ihr Begleiter Paul O’Grady (44) aus Großbritannien gehört sie dem vierköpfigen OSZE-Wahlbeobachterteam an, das seit gut zwei Wochen in Berlin seiner Mission nachkommt. Insgesamt sind bei dieser Bundestagswahl erstmals OSZE-Wahlbeobachter dabei - 14 an der Zahl.
Zu ihrer Mission gehören Gespräche mit Parteien und Medien, das Begutachten von Wahlkampagnen und der Berichterstattung. Als „election observer“ untersuchen sie Beschwerdeverfahren, etwa wenn Splittergruppen gegen die Nichtzulassung als Partei klagen. Und sie kontrollieren, ob die Vorbereitung und die Wahl selbst rundlaufen. Der Wahltag sei gar nicht einmal das Wichtigste dabei, sagt O’Grady. So stehen beide Wahlbeobachter mit ihrer Dolmetscherin denn auch am Morgen etwas verloren im Wahlraum 9 der Schule an der Welserstraße herum. Zu beobachten gibt es nicht viel. Der Wahlvorgang im Klassenzimmer ist übersichtlich. Erst als der Wahlvorsteher Rolf Vollbrecht auftaucht, bekommen O’Grady und Bogussewitsch ein bisschen zu tun. Routinemäßig stellen sie Fragen zur Anzahl der Wahlzettel, zum Verfahren der Auszählung oder wie mit Beschwerden umgegangen wird. Vollbrecht antwortet freundlich und genau, O’Grady macht sich Notizen. Das war’s.
Gibt es Probleme oder Unterschiede zu anderen Ländern? Dazu wollen beide nichts sagen. Bevor es eine Einschätzung zur Bundestagswahl gibt, müssen sich erst einmal alle 14 Wahlbeobachter in Deutschland beraten. Erst dann, etwa Ende November, wird es einen Bericht geben. Und der merkwürdige Wahlzettel an der Tür? Der entpuppt sich als völlig korrekt. Denn nicht jede Partei tritt mit einem Direktkandidaten an. So bleibt ein Teil der linken Seite frei. Da lernen auch die beiden Wahlbeobachter dazu.
Wozu sind in Deutschland Wahlbeobachter unterwegs? Die Antwort ist simpel. „Weil wir von der Bundesregierung als OSZE-Mitgliedsstaat eingeladen wurden.“ Einen konkreten Anlass, etwa Argwohn, die Wahl könnte – wie 2006 im Kongo – nicht korrekt über die Bühne gehen, gibt es nicht
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