Moskau

Mitglieder von Pussy Riot müssen zwei Jahre ins Gefängnis

Ein Moskauer Gericht hat die drei Mitglieder der Punkband Pussy Riot nach ihrem Protest gegen Kremlchef Putin schuldig gesprochen.

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Die Musikerinnen der russischen Punk-Band Pussy Riot müssen für zwei Jahre ins Gefängnis. Ein russisches Gericht hat die Musikerinnen der Punkband Pussy Riot wegen einer Protestaktion gegen Präsident Putin schuldig gesprochen.

Der Auftritt der drei maskierten Frauen im Februar in der Moskauer Christ-Erlöser-Kathedrale erfülle den Tatbestand des von religiösem Hass getriebenen Rowdytums, befand Richterin Marina Syrowa am Freitag. Das Strafmaß gegen die Künstlerinnen soll später verkündet werden.

Ihnen drohten bis zu sieben Jahre Haft. Die Staatsanwaltschaft hatte drei Jahre Gefängnis gefordert. Der international kritisierte Prozess gilt als Gradmesser für den Stand der Meinungsfreiheit in Russland.

Schuldspruch mit Grinsen quittiert

Die in einem Glaskäfig sitzenden Angeklagten quittierten den Schuldspruch zunächst mit Grinsen. Für die Urteilsverkündung waren scharfe Sicherheitsvorkehrungen getroffen worden. Die Polizei hatte das Gerichtsgebäude weiträumig abgesperrt. Richterin Syrowa stand unter Personenschutz, weil sie nach Angaben der Behörden bedroht wurde.

Mit dem Schuldspruch verkündete die Richterin aus Sicht von Unterstützern der Angeklagten auch ein Urteil über die Toleranz Putins gegenüber der Opposition. Amnesty International sprach von einem harten Schlag gegen die Meinungsfreiheit. Der Spielraum für freie Meinungsäußerung sei noch einmal kleiner geworden.

Vor dem Gerichtsgebäude riefen mehrere Hundert Demonstranten „Freiheit“ und „Russland ohne Putin“. Die Polizei nahm mehrere Menschen fest, darunter auch Anführer der Opposition. Weltweit wurde für Freitag zur Unterstützung für Pussy Riot aufgerufen, darunter auch in mehreren deutschen Städten wie Berlin und München.

„Dem ganzen Land wird die Freiheit genommen”

Nach Meinung der Kritiker steht der Prozess für die Gefährdung von Freiheitsrechten und das enge Verhältnis zwischen Staat und orthodoxer Kirche, deren Patriarch Kiril Putins Präsidentschaft als „Wunder Gottes“ preist. „Unsere Inhaftierung ist ein klares und eindeutiges Signal, dass dem ganzen Land die Freiheit genommen werden soll“, schrieb die Angeklagte Nadeschda Tolokonnikowa aus dem Gefängnis.

Für die Musikerinnen im Alter von 22, 24 und 30 Jahren setzten sich Popstars wie Madonna oder Paul McCartney ein. Die USA sprachen von einem politisch motivierten Prozess und auch die Bundesregierung kritisierte den Umgang des russischen Staates mit der Meinungsfreiheit. Die andauernde Untersuchungshaft der drei jungen Frauen sei unverhältnismäßig, monierte der Menschenrechtsbeauftragte Markus Löning. Ihre Aktion sei allenfalls als Ordnungswidrigkeit einzustufen.

Dass ein hartes Urteil gegen die Frauen, von denen zwei kleine Kinder haben, auch seinem Ansehen schaden würde, hat wohl auch Putin erkannt. Mitten im laufenden Verfahren plädierte der studierte Jurist Putin für Milde. Die Verteidiger von Pussy Riot sind überzeugt, dass das Urteil nicht vom Gericht geschrieben, sondern vom Präsidialamt diktiert wird.

200 Demonstranten fordern in Berlin Freispruch

Etwa 200 Menschen haben in Berlin für einen Freispruch der drei Aktivistinnen der russischen Punkband Pussy Riot demonstriert. Die Demonstranten versammelten vor der russischen Botschaft Unter den Linden.

Auch der Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung Markus Löning (FDP), Grünen-Fraktionsvorsitzende Renate Künast und einige Politiker der Linken beteiligten sich an der Kundgebung und kritisierten die russische Justiz.

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