Ukraine

Charité - Julia Timoschenko ist "ernsthaft krank"

Ärzte der Berliner Charité haben die inhaftierte ukrainische Ex-Regierungschefin Julia Timoschenko untersucht. Sie sagen, der 51-Jährigen gehe es schlecht.

Foto: dapd / dapd/DAPD

Die inhaftierte ukrainische Ex-Regierungschefin Julia Timoschenko ist nach Angaben der Berliner Charité „ernsthaft krank“. Das habe die Untersuchung der 51-Jährigen durch den Neurologen Karl Max Einhäupl im Straflager ergeben, sagte eine Sprecherin des Universitätsklinikums am Mittwoch und bestätigte damit ukrainische Medienberichte. Weitere Details nannte die Sprecherin aus Gründen der Vertraulichkeit nicht.

Um Timoschenkos Gesundheitszustand tobt seit Monaten ein heftiger Streit zwischen Anhängern und Gegnern. Nach Angaben ihrer Tochter leidet die Oppositionsführerin in der Haftanstalt im ostukrainischen Charkow unter anderem an einem Bandscheibenvorfall.

Wann die Diagnose fertig ist, stehe noch nicht fest, sagte die Charité-Sprecherin. Das Ergebnis dürfe aber nur veröffentlicht werden, wenn Timoschenko ihre Einwilligung gebe.

Die Symbolfigur der prowestlichen Orangenen Revolution von 2004 war im Oktober 2011 in einem umstrittenen Prozess wegen Amtsmissbrauchs zu sieben Jahren Haft verurteilt worden.

Die Gesundheitsprobleme der inhaftierten ehemaligen ukrainischen Regierungschefin gehen nach Angaben einer tschechischen Europaabgeordneten auf eine schlechte Behandlung der Gefängnisärzte zurück. „Sie haben ihr die Krücken vorenthalten und die Behandlung mit Schmerzmitteln beendet“, sagte die Abgeordnete und Ärztin Zuzana Roithova am Dienstag der Nachrichtenagentur CTK. Timoschenko habe „stundenlange Verhöre“ über sich ergehen lassen, so die frühere tschechische Gesundheitsministerin.

„Sie ist wirklich geplagt und gequält.“ Roithova sagte, sie nehme jetzt die Sorgen von Timoschenkos Familienangehörigen „sehr viel ernster“, wonach sie „toxischen Substanzen“ ausgesetzt worden sein könnte, damit sie dem „Druck des Regimes“ nachgebe.

Roithova war am Sonntag in die Ukraine gereist, um für das Europaparlament einen Bericht über Timoschenkos Gesundheitszustand zu erstellen. Sie konnte einen ärztlichen Bericht vom November einsehen, durfte Timoschenko aber nicht im Gefängnis besuchen.

Aus dem Bericht geht laut Roithova hervor, dass angesichts von Timoschenkos heftigen Kreuzschmerzen eine entsprechende Therapie notwendig gewesen wäre. Dies sei aber nicht erfolgt.

Die Europäische Union kritisiert Timoschenkos Inhaftierung als politisch motiviert. Vergangene Woche konnte erstmals eine Gruppe deutscher und kanadischer Ärzte Timoschenko in der Haft untersuchen.