Ägypten

Zehn Tote bei exzessiver Gewalt auf dem Tahrir-Platz

| Lesedauer: 2 Minuten
Yasmine Saleh

Soldaten haben auf dem Tahrir-Platz in die Menge geschossen. Bei einem Brand in einem angrenzenden Gebäude wurde ein Archiv zerstört, zehn Menschen starben.

In Kairo ist es den zweiten Tag in Folge zu schweren Zusammenstößen zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften gekommen. Soldaten mit Schlagstöcken stürmten am Sonnabend den Tahrir-Platz im Zentrum der ägyptischen Hauptstadt, schlugen auf die Menschen ein und setzten deren Zelte in Brand.

Zuvor hatten Demonstranten bei den Protesten gegen die Militärregierung mit Steinen geworfen und Sicherheitskräfte angegriffen. Seit Freitag wurden bei den Straßenschlachten nach Angaben der Regierung zehn Menschen getötet und mehr als 440 verletzt.

Unter den Toten war auch der hohe Geistliche Emad Effat. Seine Ehefrau sagte der Nachrichtenagentur Reuters, er sei erschossen worden. Die französische Regierung sprach von einem „exzessiven Gewalteinsatz“ gegen die Demonstranten. Es sind die schwersten Zusammenstöße seit dem Ausbruch des Volksaufstandes, der im Februar zum Sturz von Präsident Husni Mubarak führte.

Verschossener Fußball als Ursache?

Viele Demonstranten flohen am Sonnabend vor den Soldaten in Seitenstraßen des Platzes. Die Sicherheitskräfte schlugen auch weiter auf Menschen ein, die bereits am Boden lagen. Warnschüsse waren zu hören. Auf Aufnahmen von Reuters-TV war zu sehen, wie ein Soldat eine Pistole zog und in die Menge schoss.

Bei einem Brand in einem angrenzenden Gebäude wurde ein Archiv zerstört. In den Gebäude befanden sich 200 Jahre alte Dokumente. Ein Militärvertreter sagte der staatlichen Nachrichtenagentur Mena, das Feuer sei durch Brandsätze ausgelöst worden. Die Sicherheitskräfte seien dann gegen Verbrecher vorgegangen, nicht gegen Demonstranten. Nach Regierungsangaben wurden 30 Wachen vor dem Parlament verletzt.

Am Vorabend hatten Demonstranten Brandsätze und Steine geworfen, die Soldaten setzten Schlagstöcke und Elektroschocker ein. Über dem Parlament und die Regierungsgebäude in der Innenstadt lagen dichte Rauchwolken.

Über den Auslöser der Gewalt gab es widersprüchliche Angaben. Der von der Armee eingesetzte Ministerpräsident Kamal al-Gansuri machte Jugendliche unter den Demonstranten verantwortlich. „Auf der Straße findet keine Revolution statt, sondern ein Angriff auf die Revolution“, sagte er. In staatlichen Medien hieß es, ein junger Mann sei auf das Gelände des Parlaments gegangen, um einen Fußball zurückzuholen. Dort sei er von der Polizei und Wachleuten geschlagen worden. Anderen Darstellungen zufolge wollte der Mann dagegen sein Lager dort aufschlagen und löste dadurch Handgemenge mit den Sicherheitskräften aus.

In Ägypten finden derzeit die ersten freien Parlamentswahlen statt, die den Übergang zu einer Zivilregierung ebnen sollen. Die Abstimmung in mehreren Runden soll im Januar abgeschlossen werden. Für Juni sind Präsidentschaftswahlen geplant. Seit dem Sturz Mubaraks regiert ein Militärrat.

( Reuters )

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