Über wirtschaftliche Lage

Ägyptischer Ministerpräsident bricht in Tränen aus

Kein besonders positives Zeichen. Als Journalisten den neu ernannte ägyptische Ministerpräsident Kamal al Gansuri zur wirtschaftlichen Lage in seinem Land befragten, bekamen sie eine deutliche Antwort. Der Befrage brach in Tränen aus. Die Islamisten haben unterdessen ihre Unterstützung für die wichtige Tourismusbranche bekräftigt.

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Während eines Gesprächs mit Journalisten über die wirtschaftliche Lage des Landes ist der neu ernannte ägyptische Ministerpräsident Kamal al Gansuri am Sonntag in Tränen ausgebrochen. Die Situation sei schlimmer, als man es sich vorstellen könne, sagte der Regierungschef. Er ist bereits der dritte Ministerpräsident seit dem Rücktritt von Präsident Husni Mubarak im Februar. Immer wieder ist es seitdem zu Protesten gegen den regierenden Militärrat gekommen, während gleichzeitig die Kriminalität im Land zugenommen hat und die einst florierende Tourismusbranche herbe Rückschläge einstecken musste. Seine Prioritäten lägen bei der Wiederherstellung der Sicherheit sowie der wirtschaftlichen Entwicklung, sagte al Gansuri.

Muslimbrüder und Salafisten veranstalten Konferenzen zum Thema

Nach ihrem Erfolg bei der ersten Teilrunde der Parlamentswahlen in Ägypten haben die Islamisten am Sonntag unterdessen ihre Unterstützung für die wichtige Tourismusbranche bekräftigt. Während die Partei für Freiheit und Gerechtigkeit der Muslimbrüder in Kairo eine Konferenz mit dem Titel „Stärken wir den Tourismus“ organisierte, hielt die salafistische Partei El Nur in Assuan eine Konferenz ab, um Angestellte des Tourismussektors zu beruhigen.

Zugleich besuchten Mitglieder der Partei für Freiheit und Gerechtigkeit die Pyramiden von Gizeh in Kairo, um „die Unterstützung der Muslimbrüder für den Tourismus“ auszudrücken, während der oberste Führer der islamistischen Bewegung, Mohammed Badie, für Fotos mit Touristen in Luxor posierte.

Der Sprecher von El Nur, Nader Bakkar, hatte am Samstag dem Satellitensender CBC gesagt, seine Partei wolle den Tourismus keineswegs verbieten, sondern stärken. Allerdings strebe sie einen Tourismus gemäß den islamischen Prinzipien an mit nach Geschlechtern getrennten Stränden.

Im Falle einer Machtübernahme durch die Islamisten befürchten viele Ägypter einen weiteren Rückgang der ohnehin stark eingebrochenen Touristenströme. Salafisten hatten wiederholt erklärt, Touristen zum Tragen eines Kopftuchs zwingen zu wollen und in den Badeorten Bikini und Alkohol zu verbieten. Zehn Prozent der arbeitenden Bevölkerung Ägyptens ist in der Tourismusbranche tätig, die vor allem in den Badeorten am Roten Meer und den Ausgrabungsstätten im Niltal angesiedelt ist.