Krisen-Telefonat

Cameron-Vize verbittet sich französische Petzereien

Der stellvertretende Premierminister Clegg tadelt die französischen Bemerkungen zum britischen Top-Rating als "inakzeptabel". Die Regierungen mussten zum Telefon greifen.

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Die Regierungen Frankreichs und Großbritanniens haben sich im Streit über den Kurs in der Schuldenkrise erneut einen verbalen Schlagabtausch geliefert.

"Jüngste Bemerkungen von Mitgliedern der französischen Regierung über die britische Volkswirtschaft waren schlicht nicht akzeptabel", sagte Großbritanniens stellvertretender Premierminister Nick Clegg am Freitag nach einem Telefonat mit dem französischen Regierungschef Francois Fillon, der sich in Rio de Janeiro aufhielt. Es müssten Schritte unternommen werden, um die "Rhetorik zu beruhigen".

Einmischung nicht gewollt

Nach Angaben des Clegg-Sprechers hat Fillon sich dazu bereiterklärt. Fillon habe sich nicht in die Frage des britischen Ratings einmischen wollen, hieß es.

Fillon hatte beklagt, dass die Ratingagenturen die britische Wirtschaft offensichtlich positiver bewerteten als die französische. Der französische Zentralbankchef Christian Noyer hatte sich ähnlich geäußert – und auch der französische Wirtschaftsminister François Baroin hatte die Wirtschaftslage in Großbritannien als "besorgniserregend" bezeichnet .

Fillon rief am Freitag Clegg an, um seine Äußerungen zu erklären. Der französische Politiker habe dabei seine Einschätzung klargestellt, dass die Ratingagenturen sich offenbar mehr an der Wirtschaftspolitik eines Landes als an der Höhe von Defiziten orientierten, erklärte Clegg.

Beide Politiker wollen bereits in Kürze erneut telefonieren, um sich über die Wirtschaftslage auszutauschen.

Sarkozy – "Wir haben es satt"

Der britische Premierminister David Cameron geriet bereits bei einem EU-Gipfel im Oktober mit dem französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy aneinander. Teilnehmern zufolge sagte Sarkozy damals: "Wir haben es satt, dass Sie uns ständig kritisieren und uns sagen, was wir tun sollen."

Beim ihrem jüngsten Treffen einigten sich alle EU-Länder auf eine stärkere Integration und strengere Haushaltsregeln – mit der Ausnahme Großbritanniens.

Die US-Ratingagentur Standard & Poor's drohte in der vergangenen Woche praktisch allen Staaten der Eurozone mit einer Herunterstufung . Frankreich könnte in nächster Zeit sogar um zwei Stufen abrutschen, womit sich die Aufnahme von Krediten wahrscheinlich verteuert.

Im Oktober hatte die Agentur dagegen angekündigt, die Bonitätsnote Großbritanniens bei der besten Bewertung AAA zu belassen. Die Konkurrenzagentur Fitch bestätigte am Freitag Frankreichs Bestnote, droht nun aber auch mit einer Herabstufung.

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