Inhaftierte Oppositionelle

Timoschenko kann vor Schmerzen nicht aufstehen

Der Gesundheitszustand der inhaftierten Julia Timoschenko soll äußerst ernst sein. Die Ukrainerin brauche dringend eine Behandlung außerhalb der Gefängnismauern.

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Der Gesundheitszustand der inhaftierten ukrainischen Oppositionsführerin Julia Timoschenko ist nach Angaben der Menschenrechtsbeauftragten Nina Karpatschewa "äußerst ernst".

Das sagte die Ombudsfrau, die dem ukrainischen Parlament verantwortlich ist, nach einem unangekündigten Besuch bei Timoschenko in dem Kiewer Gefängnis „Lukjanowskoje“ und fügte hinzu: „Sie konnte wegen ihrer Rückenschmerzen nicht vom Bett aufstehen, als ich in ihrer Zelle war. Sie braucht dringend eine Behandlung außerhalb der Gefängnismauern.“

Mysteriöse Blutergüsse am Körper

Die Oppositionsführerin müsse dringend außerhalb des Gefängnisses untersucht werden. Woran die 50-Jährige leidet, sagte Karpatschjowa allerdings nicht. Nach Angaben ihrer Tochter hat Timoschenko einen Bandscheibenvorfall.

Parteifreunde von Timoschenko hatten vergangene Woche auch von mysteriösen Blutergüssen am Körper der Inhaftierten berichtet.


Wie ukrainische Medien am Montag weiter mitteilten, kritisierte die Menschenrechtlerin Karpatschewa die Haftbedingungen in dem als „Untersuchungsisolator“ bezeichneten Gefängnis „Lukjanowskoje“ scharf. Zudem sei es ein einzigartiger Fall seit der Unabhängigkeitserklärung der Ukraine vor 20 Jahre, dass eine nicht rechtskräftig verurteilte Verdächtige während ihres Prozesses dauerhaft inhaftiert bleibt.

Ein Kiewer Gericht hatte Timoschenko im Oktober wegen Amtsmissbrauchs in ihrer Zeit als Regierungschefin zu sieben Jahren Haft verurteil t. Die Verteidiger der 50-Jährigen haben jedoch Berufung eingelegt. Der Prozess soll voraussichtlich im Dezember wieder aufgenommen werden.

Unterdessen droht nach Timoschenko nun auch dem zweiten Anführer der demokratischen orangenen Revolution in der Ukraine ein Prozess.

Der frühere Staatspräsident Viktor Juschtschenko (2005-2010) soll nach einem Bericht der russischen Nachrichtenagentur Itar-Tass in den 90er Jahren als Bankmanager möglicherweise seine Befugnisse überschritten und gesetzeswidrig Millionenkredite an einen syrischen Geschäftsmann bewilligt haben. Der Parlamentsabgeordnete Gennadi Maskal habe deshalb nun die Staatsanwaltschaft in Kiew eingeschaltet.