Ex-Regierungschefin in Haft

Jewgenija Timoschenko bangt um Leben der Mutter

"Sie stirbt, wenn ihr keiner hilft", sagt die Tochter der inhaftierten Julia Timoschenko. Sie kann nach Aussage ihrer Tochter kaum noch laufen.

Im Oktober hatte ein Kiewer Gericht die ehemalige ukrainische Premierministerin Julia Timoschenko wegen Vorwürfen des Amtsmissbrauchs zu sieben Jahren Gefängnis verurteilt. Seitdem kämpft ihre Tochter Jewgenija bei europäischen Regierungen um Unterstützung.

Der "Bild"-Zeitung sagte die 31-Jährige: "Ich fürchte um das Leben meiner Mutter. Man will sie umbringen. Sie stirbt, wenn ihr keiner hilft." Erst vor wenigen Tage wurde bekannt, dass die Ex-Regierungschefin trotz ihrer angeschlagenen Gesundheit nach Angaben ihres Anwalts zwölf Stunden lang in ihrer Haftzelle zu neuen Vorwürfen vernommen worden.

Timoschenko habe starke Schmerzmittel einnehmen müssen und die Anhörung nur liegend verfolgen können, sagte Anwalt Sergej Wlassenko in Kiew nach Angaben örtlicher Medien. Auch Tochter Jewgenija bestätigt gegenüber der "Bild"-Zeitung: "Meiner Mutter geht es sehr schlecht – und sie bekommt keine richtige ärztliche Betreuung, leidet unter mysteriösem Hautausschlag und kann kaum noch laufen.“

Nach der Vernehmung erließ Richter Andrej Trubnikow einen zweiten Haftbefehl gegen die Oppositionsführerin. Bei den Vorwürfen geht es um angebliche Veruntreuungen in Millionenhöhe aus ihrer Zeit als Chefin eines Energiekonzerns in den 1990er Jahren.

Anwalt Wlassenko warf dem innenpolitischen Gegner von Timoschenko, Staatspräsident Viktor Janukowitsch, vor, das kompromisslose Verhör in der Zelle angeordnet zu haben. Richter Trubnikow hatte es zuvor abgelehnt, mit der Vernehmung bis zu einer Besserung von Timoschenkos Gesundheitszustand zu warten.

Er lehnte auch die Anwesenheit von Medien ab. Timoschenko war in einem umstrittenen Prozess am 11. Oktober wegen Amtsmissbrauchs zu sieben Jahren Haft verurteilt worden. Am 13. Dezember beginnt in Kiew eine Berufungsverhandlung.