Libyen

Aischa Gaddafi fordert Rache für den Tod ihres Vaters

Die 40-tägige Trauerfrist um den getöteten Diktator ist verstrichen: Tochter Aisha Gaddafi nutzt die Gelgenheit, das libysche Volk zur Rache aufzustacheln.

Foto: al-Bawaba

Aischa al-Gaddafi (35), Tochter des libyschen Ex-Diktators Muammar al-Gaddafi, hat arabischen Medienberichten zufolge das libysche Volk zum Kampf gegen die Übergangsregierung aufgerufen.

Wie das Nachrichtenportal "al-Bawaba" berichtet, veröffentlichte die Diktatoren-Tochter über den syrischen TV-Sender "al-Rai" einen Brief – entsprechend islamischer Tradition nach Ablauf der 40 Trauertage nach dem Tod ihres Vaters.

In dem Brief fordert sie die Libyer zur Revolte gegen die neue Regierung in Tripolis auf. Die Botschaft trägt den Titel "Brief von Dr. Aischa al-Gaddafi über das Andenken des Märtyrer-Gotteskriegers Muammar al-Gaddafi".

"Märtyrer" und "Gotteskrieger"

Ihr Vater Muammar al-Gaddafi sei ein "Märtyrer" und "Gotteskrieger" gewesen, so seine Tochter Aischa, er sei "nicht gegangen sondern existiert weiter". Das libysche Volk müsse seinen Tod nun rächen.

Außerdem sollten die Libyer niemals den Übergangsrat und die neue Regierung akzeptieren, mahnt Aischa al-Gaddafi. Diese sei "an Bord eines Nato-Flugzeuges" nach Libyen gekommen.

"Oh Mudschaheddin, vergesst nicht die Worte eures Vaters, der sagte, ihr müsst weiter Widerstand leisten, auch wenn ihr meine Stimme nicht mehr hört", erklärt Aischa in der Botschaft.

Verfasst wurde die neue Botschaft der Gaddafi-Tochter vermutlich in Algerien. Dorthin flohen sie und ein Teil des Gaddafi-Clans im August, als die oppositionellen Kämpfer die Hauptstadt Tripolis eroberten.

Ebenfalls in Algerien leben soll Safia al-Farkash, die Witwe des vor wenigen Wochen in Libyen getöteten Despoten Muammar al-Gaddafi.

Nachdem am Montag die Vereinten Nationen einen Bericht veröffentlicht hatten, in dem den Revolutionskräften Misshandlungen und schlechte Behandlung von Gefangenen vorgeworfen werden, versprach die neue libysche Regierung Besserung.

Es habe sich nicht um systematische Vergehen gehandelt, sagte Innenminister Fausi Abdul Ali in Tripolis. Die Regierung versuche aber solche Fälle in Zukunft zu verhindern, sagte er.

Noch 7000 Gefangene

Laut UN-Bericht werden noch 7000 Personen gefangen gehalten. Viele der Inhaftierten stammten aus Schwarzafrika und einige würden verdächtigt, als Söldner Gaddafis angeheuert worden zu sein.

Auch der stellvertretende Ministerpräsident Mustafa Abushagur gab Probleme zu. „Gibt es unrechtmäßigen Arrest in Libyen? Ich fürchte ja“, sagte Abushagur vor Medienvertretern. Allerdings seien alle Misshandlungen von Milizen begangen worden, die noch nicht der Zentralgewalt unterstehen.

20.000 Personen vermisst

Die neue libysche Führung tut sich nach dem Sturz des Gaddafi-Regimes schwer mit der Durchsetzung ihres Führungsanspruchs. Ihr größtes Problem sind die zahlreichen Milizen, die sich im Bürgerkrieg gegründet haben. Nur zögerlich lösen sie sich wieder auf oder geben ihre Waffen ab.

Vor dem Regierungssitz in Tripolis demonstrierten am Dienstag Dutzende Menschen, die Angehörige bei den Kämpfen verloren haben, für eine schnellere Identifizierung. Nach Angaben des Internationalen Strafgerichtshofs gelten noch 20.000 Personen als vermisst.

Allerdings muss erst ein Labor aufgebaut werden, das die für die Identifikation notwendigen DNA-Analysen durchführen kann, um das Erbgut der überall im Land beerdigten Leichen mit Überlebenden vergleichen zu können.