Proteste gegen Militärrat

Gewalt in Ägypten eskaliert – 20 Tote in Kairo

Nur eine Woche vor den Parlamentswahlen spitzt sich die Lage in Ägypten weiter zu. Bereits die dritte Nach in Folge kam es in der Hauptstadt des Landes zu gewalttätigen Ausschreitungen zwischen Sicherheitskräften und Demonstranten. Allein am Sonntag wurden dabei 20 Menschen getötet.

In der ägyptischen Hauptstadt Kairo sind bei den jüngsten gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen Sicherheitskräften und Demonstranten 20 Menschen getötet worden. Das berichtete das staatliche Fernsehen am Montag unter Berufung auf das Gesundheitsministerium. Die Unruhen hielten den dritten Tag in Folge an. Auf dem Tahrir-Platz strömten zahlreiche Demonstranten zusammen. Die Polizei setzte dort am Montagmorgen Tränengas gegen hunderte Demonstranten ein, wie auf Live-Übertragungen im Fernsehen zu sehen war. In dem Bericht über die Zahl der Toten wurde kein Zeitraum genannt. Zuvor war von 13 Toten am Sonntag die Rede gewesen, einschließlich zweier Toter vom Samstag waren es am Wochenende 15.

Am kommenden Montag soll in Ägypten die Parlamentswahl beginnen. Es ist die erste Wahl seit dem Sturz des langjährigen Präsidenten Husni Mubarak im Februar. Die Demonstrationen der vergangenen Tage richteten sich gegen die Macht des Militärs, insbesondere gegen Marschall Hussein Tantawi, den Chef des Obersten Militärrates. Tantawi war 20 Jahre lang Verteidigungsminister und einer der engsten Mitarbeiter Mubaraks. Der Militärrat hatte nach dem durch Massenproteste erzwungenen Rücktritt Mubaraks die Regierungsgewalt übernommen und will die Macht nach eigenen Angaben nach der Präsidentschaftswahl abgeben. Für die Wahl des Staatsoberhaupts steht noch kein Termin fest.

Proteste in Ägypten drücken Börsen der Region

Angesichts erneuter gewaltsamer Proteste gegen die Militär-Regierung hat der ägyptische Aktienmarkt seine Talfahrt am Montag fortgesetzt. Der Kairoer Leitindex fiel um knapp zwei Prozent auf ein Sechs-Wochen-Tief, nachdem er am Sonntag bereits um 2,5 Prozent abgerutscht war. Parallel dazu trennten sich Investoren von der Landeswährung. Ein Dollar verteuerte sich auf 5,9870 ägyptische Pfund.

Im Sog der Kairoer Kursverluste bauten auch die Börsen anderer arabischer Staaten ihre Vortagesverluste aus. Die Leitindizes von Dubai, Katar und Saudi Arabien verloren zwischen 0,7 und 1,3 Prozent. Die Börse im israelischen Tel Aviv gab sogar 1,6 Prozent nach.

Westerwelle mahnt ägyptische Führung zu Gewaltverzicht

Bundesaußenminister Guido Westerwelle hat zu einem Ende der Gewalt in Ägypten aufgerufen und die Führung des Landes kritisiert. „Es handelt sich ganz erkennbar auch um Behinderungsversuche eines demokratischen Übergangsprozesses. Dagegen wenden wir uns“, sagte Westerwelle am Montag in Berlin. Alle Beteiligten seien aufgerufen, auf jede Form von Gewalt zu verzichten. Die für kommenden Montag angesetzten Wahlen müssten in einem friedlichen Umfeld stattfinden, damit sie auch wirklich frei und fair abliefen, fügte Westerwelle hinzu. In diese Richtung werde Deutschland in der internationalen Gemeinschaft wirken. „Und so werden wir auch auf die ägyptischen Regierungsstellen und auch die Militärführung einwirken“, kündigte der Minister an. Die Bundesrepublik wolle Ägypten auf dem Weg in Richtung Demokratie unterstützen.

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