Ägypten

Mindestens elf Tote bei Ausschreitungen in Kairo

Der Tahrir-Platz in der ägyptischen Hauptstadt ist erneut Schauplatz blutiger Proteste. Demonstranten protestieren diesmal gegen die Macht des Militärrats. Dieser reagiert mit massiver Gewalt.

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Bei Zusammenstößen zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften sind mindestens zwei Menschen in Kairo ums Leben gekommen.

Video: Reuters
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Bei den heftigen Zusammenstößen zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften in Kairo sind am Sonntag mindestens elf Menschen ums Leben gekommen. Wie Augenzeugen berichteten, starben mindestens vier von ihnen an Schussverletzungen. Der Arzt Mohammed Fatuh, der ein Feldlazarett auf dem Tahrir-Platz im Zentrum der ägyptischen Hauptstadt leitet, sagte, es seien drei weitere Leichen mit Schusswunden in das Lazarett gebracht worden. Nach Angaben weiterer Ärzte war zuvor bereits ein Demonstrant durch einen Schuss mit scharfer Munition getötet worden. Drei Menschen waren erstickt, offenbar nachdem sie Tränengas eingeatmet hatten. Hunderte weitere Menschen wurden verletzt.

Demonstranten besetzten auch in der Nacht den Tahrir-Platz in Kairo, nachdem sie sich bis in den späten Sonntagabend Straßenkämpfe mit Sicherheitskräften geliefert hatten. Auf dem Platz, der zum Symbol für den Sturz Mubaraks geworden ist, herrschte am frühen Montag gespannte Ruhe. Die ägyptische Nachrichtenwebsite „Youm7“ meldete, der Imam einer Moschee, die neben dem Platz liegt, habe zwischen den Demonstranten und den Sicherheitskräften vermittelt. Die letzten verbliebenen Protestierenden zogen sich demnach auf die Platzmitte zurück.

Am Sonntag, dem zweiten Tag der schwersten Unruhen seit Monaten, hatten die Sicherheitskräfte auf dem Tahrir-Platz Zelte von Protestierenden in Brand gesteckt und waren mit Tränengas und Gummigeschossen gegen Tausende Menschen vorgegangen, die gegen den regierenden Militärrat unter Feldmarschall Mohammed Hussein Tantawi protestierten.

Der Militärrat hat wiederholt versprochen, die Macht nach den Präsidentschaftswahlen Ende nächsten oder Anfang übernächsten Jahres an eine gewählte Regierung zu übergeben, aber bislang kein genaues Datum genannt. Den Demonstranten dauert das zu lang, sie werfen dem Militärrat vor, die Entscheidung unnötig in die Länge zu ziehen.

Das Militär hatte nach der Entmachtung Mubaraks im Februar die Macht übernommen. Nächste Woche wird in Ägypten ein neues Parlament gewählt, doch die Wahl soll sich bis zum Januar hinziehen. Die Jugendprotestbewegung 6. April warf dem Militärrat vor, er wende die gleichen Methoden an wie einst Mubarak. In einer Erklärung forderte die Bewegung in der Nacht zum Montag unter anderem den Rücktritt der Übergangsregierung.

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