Betrug in Nigeria

Ein Baby mit Diplom und regelmäßigem Monatsgehalt

In Nigeria werden 70.000 Menschen vom Staat bezahlt, die gar nicht arbeiten. Auch in gefälschten Wählerregistern tauchen kuriose Namen auf.

Honoré de Balzac hat es schon im 19. Jahrhundert geahnt: "Bürokratie ist ein gigantischer Mechanismus, der von Zwergen bedient wird." Er konnte nicht wissen, dass dieser Satz einmal tatsächlich zutreffen würde. Zumindest in Nigeria.

Dort bezog ein Baby, gerade einmal ein paar Wochen alt, ein regelmäßiges Gehalt von der lokalen Regierung des Bundesstaates Zamfara. 110 Euro monatlich, und man muss in diesem Fall schon von Lohndumping sprechen – denn immerhin hatte das Baby seinen Papieren zufolge einen Universitätsabschluss.

Bereits vor der Geburt das erste Gehalt

Ohnehin: Über Abitur nach zwölf Jahren können sie in Nigeria nur lachen. Dort bekam das Baby sein Gehalt schon ausgezahlt, als es noch gar nicht geboren war.

Wer nun vergrämt den Karriereplan für den eigenen Nachwuchs zusammenknüllt, dem sei gesagt, dass die Bürokratie in Nigeria neben Zwergen noch von anderen Mächten dirigiert wird. Als vor einem Jahr überlegt wurde, wer denn alles den Präsidenten wählen könnte, fielen knapp 50.000 Namen im Wählerregister auf, denen sich keine Nigerianer zuordnen ließen.

Ein Mann namens Nelson Mandela sowie ein gewisser Bob Marley hatten treu für die Regierungspartei PDP gestimmt.

In die Mühlen der Bürokratie gestoßen

Die Karriere des Baby-Beamten mit Universitätsabschluss scheiterte allerdings nach ein paar Monaten. Und der ehrgeizige Vater wird vor Gericht erklären müssen, wie er sein Kind nur so überstürzt in die Mühlen der Bürokratie stoßen konnte.

Die Behörden waren ihm auf die Schliche gekommen, nachdem im August bereits ein fünf Monate altes Baby in einem anderen Staat aufgeflogen war. Dabei handele es sich um Beispiele "der vielen Geisterarbeiter" im Land, sagte Ermittler Garba Gajam.

Er meinte damit die über 70.000 Personen, die in Nigeria zu Unrecht vom Staat bezahlt werden. Immerhin gab es das Baby wenigstens – im Gegensatz zu den Geisterwählern Nelson Mandela und Bob Marley.