Wahlverlierer in Polen

Kaczynski bereut Merkel-Kritik im Wahlkampf

Seine Stasi-Andeutungen über die Bundeskanzlerin hätten seiner Partei geschadet, gibt der polnische Oppositionsführer zu. Inhaltlich nimmt er aber nichts zurück.

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Nach seiner Niederlage bei der Parlamentswahl hat der polnische Oppositionsführer Jaroslaw Kaczynski seine Wahlkampf-Äußerungen über Kanzlerin Angela Merkel als einen Fehler bezeichnet. „Ich will nicht verbergen, dass die Äußerung im Buch über Angela Merkel mein Fehler war“, sagte er in einem Interview für die Zeitung „Rzeczpospolita“. Die Kampagne der Medien zum Thema Merkel habe seiner Partei geschadet, sagte der nationalkonservative Politiker.

Rezensenten aus der eigenen Partei hatten den Chef der nationalkonservativen Recht und Gerechtigkeit (PiS) gewarnt, dass der politische Gegner die Aussagen nutzen werde, um die eigenen proeuropäischen Wähler zu mobilisieren. Kaczynski entschied sich anders und verlor die Wahl.

Inhaltlich kommentierte der frühere Premierminister seine Ausführungen über die deutsche Regierungschefin nicht. In seinem kurz vor der Wahl am 9. Oktober veröffentlichten Buch „Das Polen unserer Träume“ hatte Kaczynski geschrieben, Merkels Wahl zur Kanzlerin sei unter „nicht ganz sauberen Umständen“ erfolgt. Mit diesem Thema sollten sich später Politologen und Historiker auseinandersetzen, hieß es in der Publikation. Polnische und deutsche Medien interpretierten dies als Anspielung, Merkel sei mit Hilfe der Stasi in ihr Amt gelangt.

Kaczynskis Partei hatte bei der Wahl knapp 30 Prozent erreicht, rund neun Prozentpunkte weniger als die r egierende Bürgerplattform von Ministerpräsident Donald Tusk . Laut Meinungsforschungsinstituten hat die Debatte um die Merkel-Kritik den Wahlausgang wesentlich beeinflusst.