Syrien

US-Botschafter in Damaskus mit Tomaten beworfen

Die Spirale der Gewalt dreht sich in Syrien immer schneller. Ein wütender Mob von Assad-Anhängern hat den Wagen des US-Botschafters mit Steinen und Tomaten beworfen. In der Provinz kämpft die Armee untereds gegen mehrere Gruppen von Deserteuren.

Anhänger des syrischen Präsidenten Assad haben in Damaskus den amerikanischen Botschafter Robert Ford bedroht und beschimpft. Augenzeugen berichteten, mehr als 100 Menschen hätten sich am Donnerstag vor einem Gebäude im Stadtzentrum versammelt, in dem sich der US-Diplomat mit dem Oppositionellen Hassan Abdul Azim unterhielt. Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) wirbt weiter für eine UN-Resolution zur Gewalt in Syrien. Aus der Provinz wurden blutige Kämpfe gemeldet.

Der Anwalt Abdul Azim sagte, die Protestierenden hätten gegen die Eingangstür des Gebäudes getrommelt und antiamerikanische Slogans gerufen. Später seien Angehörige der Sicherheitskräfte gekommen, um sie zu vertreiben. Der Botschafter konnte in sein Auto steigen, während die Meute rief: „Das Volk will die Ausweisung des Botschafters“.

Anhänger des syrischen Präsidenten haben nach Angaben eines Oppositionspolitikers den US-Botschafter in Damaskus mit Tomaten, Steinen und Eiern beworfen. Während des darauf folgenden Treffens zwischen US-Botschafter Robert Ford und ihm hätten die Regimeanhänger zudem versucht, sein Büro zu stürmen, sagte Hassan Abdul Asim, Vorsitzender der verbotenen Arabischen Sozialdemokratischen Union. Angestellte hätten die rund 100 Demonstranten am Eindringen gehindert, Ford habe aber das Büro drei Stunden lang nicht verlassen können, sagte Abdul Asim. Sicherheitskräfte hätten ihn schließlich sicher aus dem Gebäude geführt. Aus der Botschaft hieß es anschließend, Ford sei unverletzt.

Abdul Azim sagte zum Inhalt seines Gespräches mit Botschafter Ford: „Wir sprachen darüber, dass die Proteste gegen das Regime friedlich bleiben müssen.“ Am Samstag war bereits der französische Botschafter Eric Chevalier in Damaskus Opfer einer Eierwurf-Attacke von Regimetreuen geworden, wobei nicht ganz klar war, ob die Sicherheitskräfte den „spontanen Angriff“ nicht selbst orchestriert hatten. Chevalier und Ford hatten in den vergangenen Monaten mehrfach die Gewalt des Regimes gegen Demonstranten kritisiert.

Aktivisten berichteten, Regierungstruppen und Milizionäre hätten in der Ortschaft Al-Rastan 41 Zivilisten und einen desertierten Soldaten getötet. Sie erklärten außerdem, Angehörige der regimetreuen Schabiha-Miliz hätten Geschäfte in dem Ort geplündert. Die Angaben konnten wegen der Medienblockade der Regierung nicht überprüft werden. Aus Al-Rastan in der Provinz Homs waren bereits am Mittwoch Gefechte zwischen den Truppen des Regimes von Präsident Baschar al-Assad und Deserteuren gemeldet worden. Die Gegner des Regimes von Präsident Baschar al-Assad haben für diesen Freitag zu einer Demonstration unter dem Motto „Erhebt Euch, Bürger von Syrien, Al-Rastan wird abgeschlachtet“ aufgerufen.

3000 Menschen getötet

Fahnenflüchtige Soldaten und Einheiten der Armee sollen sich am Donnerstag auch in der Provinz Idlib heftige Gefechte geliefert haben. Aktivisten der Protestbewegung sprach von 40 Verletzten. In der Stadt Homs sei eine 18 Jahre alte Frau erschossen worden.

Seit Beginn der Unruhen in Syrien im vergangenen März sollen bereits mehr als 3000 Menschen getötet worden sein. Zehntausende gelten als vermisst. Die Regierung ist bemüht, die Demonstranten als militante Islamisten darzustellen.

Der Erzbischof der syrisch-orthodoxen Kirche von Antiochien in Aleppo, Mor Gregorios Yohanna Ibrahim, sagte der Nachrichtenagentur dpa in einem Telefoninterview: „Wir haben keine Angst, dass Syrien ein islamischer Staat wird. Uns erfüllt jedoch eine generelle Sorge, was die Zukunft unseres Landes betrifft. Doch diese Sorge betrifft nicht eine bestimmte Seite.“ Zu den jüngsten Berichten über fahnenflüchtige Soldaten erklärte er: „Diese Deserteure verlassen die Truppe einzeln und nicht kollektiv.“

Einem von Deutschland und drei weiteren EU-Staaten im UN-Sicherheitsrat eingebrachten Resolutionsentwurf , in dem Syrien Sanktionen angedroht werden, wollen sich Russland, China bislang nicht anschließen. Jetzt soll über eine Resolution ohne Sanktionen verhandelt werden, in der Syrien nur verurteilt wird. Bundesaußenminister Westerwelle erklärt: „Das Regime in Damaskus zeigt sich weiter gänzlich uneinsichtig und nimmt das Risiko einer massiven Ausweitung des innersyrischen Konflikts bewusst in Kauf.“