Terror in Norwegen

Als das Grauen über die Ferieninsel Utoya kam

Albtraum im Ferienlager auf einer idyllischen Fjordinsel: Ein Mann feuert wild in die Menge, Panik bricht aus. Viele Jugendliche springen aus Verzweiflung ins Meer.

Foto: dapd / dapd/DAPD

Wenige Stunden nach dem Anschlag in Oslo eröffnete ein Bewaffneter in Polizeiuniform das Feuer auf ein Jugendlager der sozialdemokratischen Arbeiterpartei auf der Insel Utoya. Dabei starben nach Polizeiangaben zehn Menschen.

Andre Scheie, ein Augenzeuge, sagte dem norwegischen Sender NRK, er habe Leichen am Strand und im Wasser liegen gesehen. Der Mann habe „wild um sich geschossen“, berichteten andere Augenzeugen. Die Polizei entsandte Anti-Terror-Einheiten auf die Insel, ein Mann wurde festgenommen.

An dem jährlichen Jugendlager der Arbeiterpartei nehmen nach Angaben von Parteimitglied Per Gunnar Dahl etwa 700 Menschen teil, die meisten von ihnen Jugendliche zwischen 14 und 18 Jahren. Inmitten der Schießerei hätten Menschen in Panik versucht, Richtung Festland zu schwimmen, sagte Dahl.

Jugendliche verschickten in Todesangst Twitter-Mitteilungen – zum Beispiel diese: „Es geht uns gut, wir müssen abwarten. Aber jetzt wird wieder geschossen.“

Jugendliche stürzen sich ins Wasser

Die ersten Eltern haben offenbar kurz nach 17.30 Uhr die Nachricht von Kindern erhalten, dass geschossen werde auf der Insel. Die Menschen sollten Deckung gesucht haben oder sich, wie auch von anderen Augenzeugen berichtet, ins Wasser gestürzt haben.

Die Zeitung „Aftenposten“ war in Kontakt mit einer Mutter, deren 14-jähriger Sohn auf der Insel ist: Sie sagte, dass ihr Sohn und drei Freunde gerade vom Festland angekommen und vom Boot gegangen waren, als die Schüsse abgefeuert wurden.

„Mein Sohn rief mich völlig hysterisch an, eine Person auf Utoya schieße um sich“, berichtete die Mutter der Zeitung. Es seien Personen getroffen worden. Das Boot, mit dem die Teilnehmer ins Sommercamp gebracht wurden, habe schon wieder abgelegt.

Die Mutter sagte: „Es ist Panik da draußen. Ich gehe jetzt los um zu sehen, was da passiert. Mein Sohn ist ziemlich verzweifelt und voller Angst. Ich habe ihm geraten, sich zu verstecken.“

Stoltenberg sollte ins Camp fahren

Am Donnerstag hatte Außenminister Jonas Gahr Store das Jugendcamp seiner Arbeiterpartei besucht, am Sonnabend wurde offenbar Norwegens Ministerpräsident Jens Stoltenberg erwartet.

Stoltenberg sagte im Sender TV2, die Lage in dem Ferienlager sei ernst. Die Polizei hielt aus Sicherheitsgründen den Aufenthaltsort des Ministerpräsidenten vorerst geheim. Die Insel Utoya liegt im Tyrifjord, etwa 40 Kilometer von Oslo entfernt.

Nach Angaben der Polizei kann der im Zusammenhang mit der Schießerei auf der Insel festgenommene Mann mit der Explosion in Oslo in Verbindung gebracht werden. Die Polizei wollte allerdings nicht sagen, ob er Norweger ist. Polizeisprecher Sveinung Sponheim wollte gegenüber der Presse keine näheren Angaben zu dem Verdächtigen machen. Der Mann wurde Berichten zufolge am Abend in Oslo verhört.