Libyen

Videos zeigen, wie Gaddafi sein eigenes Volk bekriegt

Diktator Muammar al-Gaddafi geht mit großer Brutalität gegen Zivilisten und Rebellen vor. Das zeigen Videos, die Morgenpost Online vorliegen.

Hunderte Amateurvideos aus Libyen dokumentieren die jüngsten Entwicklungen an den Fronten des blutigen Konflikts zwischen dem libyschen Regime und den Gaddafi-Gegnern. Nicht immer ist die Authentizität der Aufnahmen belegbar. Viele scheinen jedoch mit den aktuellen Geschehnissen übereinzustimmen.

Am Mittwochabend wurde gemeldet, libysche Regierungstruppen hätten sich rund um die nordwest-libysche Ortschaft Misrata zusammengezogen und würden einen Angriff auf die Stadt in den kommenden Tagen planen. Ein Arzt aus dem Hauptkrankenhaus Misratas berichtete, Gaddafis Truppen hätten bereits am Nachmittag begonnen, Krankenhäuser zu beschießen.

Ein Amateurvideo, das gestern offenbar in einem Kinderkrankenhaus in Misrata aufgenommen wurde, zeigt von Granaten und Panzergeschossen durchlöcherte Wände und eine zerstörte Einrichtung. Ob Menschen bei dem Beschuss des Gebäudes ums Leben kamen oder verletzt wurden, ist nicht bekannt.

In der Stadt al-Sintan, 160 Kilometer westlich der Hauptstadt Tripolis, formierten sich Augenzeugenberichten zufolge am Mittwoch ebenfalls Armeeeinheiten der Gaddafi-loyalen Truppen zum Angriff. Kampfflugzeuge der alliierten Streitkräfte hätten Konvois und Panzer am Stadtrand beschossen und teilweise zerstört.

Videoaufnahmen aus al-Sinta zeigen offenbar Rebellen, die vor den verlassenen und zerstörten Militärfahrzeugen der Gaddafi-Truppen jubeln. Einige Kampfpanzer wurden dort von den Militäreinheiten aufgegeben und fielen den Aufständischen in die Hände.

Ein weiteres Video, das derzeit im Internet verbreitet wird, soll von einem Soldaten der Regime-Truppen gefilmt worden sein. Es zeigt so genannte Stalin-Orgeln, mit Raketenwerfern bestückte Fahrzeuge, die "Katjuscha"-Kurzstreckenraketen abfeuern. Nicht erkennbar ist, wo und wann die Aufnahme entstand.

Entsprechende Berichte über den Einsatz dieser Raketenwerfer werden allerdings seit Beginn des Konfliktes in Libyen gemeldet. Der deutsche Journalist, Ex-Politiker und Buchautor Jürgen Todenhöfer berichtete, seine Begleiter und er seien vor knapp zwei Wochen in Libyen von einer solchen Stalin-Orgel beschossen worden. Eine Rakete traf das Auto des Bestseller-Autors und tötete seinen libyschen Gastgeber und Freund.

Dutzendfach kursieren im Internet von Augenzeugen gedrehte Videos aus Libyen, die verletzte und sterbende Menschen in Krankenhäusern zeigen, darunter auch Säuglinge.